Start day-news Kopf-an-Kopf-Rennen AfD und SPD im Wahlkreis 16

Kopf-an-Kopf-Rennen AfD und SPD im Wahlkreis 16


Die AfD ist der große Gewinner bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 16 („Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II“). Danach sah es bis 21 Uhr aus, dass Enrico Komning das Direktmandat für den Deutschen Bundestag holt. Vor vier Jahren gewann den Wahlkreis noch deutlich CDU-Spitzenkandidat Philipp Amthor vor Komning. Auch bei den Zweitstimmen lagen damals die Christdemokraten noch vorn.

Das ist bitter für den CDU-Abgeordneten Philipp Amthor. Bereits gegen 20.45 Uhr wird offensichtlich, dass der 28-Jährige den Bundestagswahlkreis 16, abgegeben muss. Enrico Komning aus Neubrandenburg liegt zu diesem Zeitpunkt in vielen Wahlbezirken vorn. In etlichen Wahlkreisen ist Amthor lediglich auf Platz 3 und der SPD-Kandidat Erik von Malottki vor ihm.

Amthor will weiterarbeiten – auch als Listenabgeordneter

Amthor lässt gegen 21 Uhr verlauten: „Noch steht das Endergebnis nicht fest, aber es wäre schon sehr bitter, unseren Wahlkreis an die AfD abgeben zu müssen. Das wäre nicht nur ein schlechtes Aushängeschild für die Region, sondern auch ein echter Ballast für konkrete Sachpolitik. Umso entschlossener müsste und würde ich allerdings meine Arbeit für den Wahlkreis in Berlin fortsetzen – auch als Listenabgeordneter.“

Enrico Komning hat bereits Bundestagserfahrung. 2017 zog er über die Liste ein, ist einer von vier parlamentarischen Geschäftsführern der AfD-Fraktion. Der 53-Jährige ist von Haus aus Jurist. Für den Bundestag kandidiert Komning, weil er seinen „Teil dazu beitragen möchte, dass Deutschland wieder normal wird.“ Für den von ihm nun aller Voraussicht nach gewonnen Wahlkreis 16 hat Komning ein großes Ziel: „Mein ländlich geprägter Wahlkreis braucht eigentlich nur das, was auch das Grundgesetz fordert: gleichwertige Lebensverhältnisse – wie im übrigen Deutschland.“ Aktuell lebten die Menschen in miserablen Verhältnissen, was man den Altparteien zu verdanken habe. Statt Rückbau brauche es Investitionen in allen Bereichen. Dafür will sich Enrico Komning einsetzen.

Komning wollte Amthor unbedingt stürzen

„Mein Ziel war es, Philipp Amthor zu stürzen“, sagt Komning. „Das wäre gelungen, wenn ich den Wahlkreis tatsächlich hole“, sagt Komning kurz vor Redaktionsschluss. Zu diesem Zeitpunkt lag Komning mit 25,4 Prozent der Stimmen vorne (358 von 392 Wahlbezirken). Amthor habe aus seiner Sicht im Wahlkampf sehr abgehoben agiert und den Kontakt zu den Wählern verloren. „Wer bei einer Wahlkampfveranstaltung mit großer Limousine vorfährt, während ich am Grill stehe und Bratwurst grille, muss sich nicht wundern“, sagt Komning.

Amthor lag zum Redaktionsschluss auf Platz drei mit 20,6 Prozent der Stimmen und damit hinter dem SPD-Mann Erik von Malottki (24,6 Prozent), der seinen Wahlkampf deutlich gegen Amthor ausgerichtet hat. Von Malottki erklärte, dass er die Korruption von Amthor und dessen Verstrickungen mit einem US-Amerikanischen Unternehmen unverträglich fände. Zu seinem eigenen Ergebnis sagte er: „Ich freue mich besonders, dass die Wähler und Wählerinnen Philipp Amthor die rote Karte gezeigt haben. Auf der anderen Seite macht es mich traurig, wie viele Menschen der AfD eine Stimme gegeben haben.“

Für AfD ist es ein guter Abend

Angesichts des Ausgangs bei der Bundestagswahl herrscht bei der AfD im Kreis dennoch freudig-gelöste Stimmung. Der Kreisvorstand Vorpommern-Greifswald sitzt am Sonntagabend gemeinsam mit Anhängern gemütlich in der Gaststäte „Zum Himmel“ in Groß Ernsthof zusammen. Als die ersten Ergebnisse aus dem Ämtern bekannt werden, die allesamt Komning als Sieger ausweisen, herrscht große Freude. Landtags-Direktkandidat Stephan J. Reuken meint, dass es zeige, dass die AfD für die Wählerinnen und Wähler große Kompetenz besitze.

In den Gemeinden des Amtes Usedom-Nord liegt am Abend die AfD bei den Erst- und Zweitstimmen in drei Gemeinden vorn, wie Wahlleiterin Monique Bergmann informiert. Die Wahlbeteiligung im Inselnorden liegt inklusive der Briefwahl bei 77,7 Prozent. Das gleiche Bild zeichnet sich auch in den Kommunen des Inselsüdens ab. Gegen 20.45 Uhr wird hier vermeldet: „Die AfD ist bisher der große Wahlsieger.“ Auch im Amt Am Peenestrom und im Amt Lubmin geht der Wahlkreis mehrheitlich an Komning von der AfD. Zwar sind gegen 21.30 Uhr noch nicht alle Briefwahlunterlagen ausgezählt, doch die übergroße Mehrheit hat sich in diesem Teil des Wahlkreises für die AfD entschieden.

Jubel bei der SPD

Kurz nach 18 Uhr gab es im Zelt der Parteifreunde um SPD-Kandidat Falko Beitz hinter dem Stolper Schloss einen kurzen Aufschrei, nachdem die ersten Prognosen einliefen.
Quelle: Henrik Nitzsche

Noch keine Ergebnisse gab es bei Redaktionsschluss gegen 21.50 Uhr zur Landtagswahl. Dennoch wurde kurz nach 18 Uhr hinter dem Stolper Schloss gejubelt. Falko Beitz, der im Wahlkreis 30 zur Landtagswahl für die Sozialdemokraten antritt, verfolgte mit rund 20 Parteifreunden die ersten Prognosen und Hochrechnungen. „Ich freue mich für unsere Ministerpräsidentin, dass wir im Land so deutlich gewonnen haben. Das spricht für ihre Familienpolitik“, sagt Beitz.

Von Cornelia Meerkatz und Henrik Nitzsche

Must Read

Netflix feuert Mitarbeiter nach Aufstand gegen Chappelle-Show

Los Gatos. Im Streit um ein Special von Comedian Dave Chappelle hat der Streamingriese Netflix eine Kündigung ausgesprochen. Ein...

Die Roten in Noten: So waren die 96-Profis im Heimspiel gegen Schalke drauf

Lange Zeit und mit etwas Glück das 0:0 gehalten, doch am Ende musste sich Hannover...

Bad Doberaner schreibt Buch über Walter Märtin und deutsche Geschichte

Wenn Heinz Märtin über seinen Vater Walter Märtin (1918-1999) berichtet, geht es um mehr als die reine Persönlichkeit. In dem Buch „Erinnerungen an...

Regisseur Matti Geschonneck zu Gast in Grevesmühlen

Prominenter Besuch in Grevesmühlen. Matti Geschonneck, Regisseur und Sohn von DDR-Schauspiellegende Erwin Geschonneck, wird am Donnerstag, 21. Oktober, im Saal des ...