Start day-news Kommunale Wohnungen sind kein Schnäppchen – das ist der Grund

Kommunale Wohnungen sind kein Schnäppchen – das ist der Grund


Nicht die Entlohnung in Hotellerie und Gastronomie ist das Hauptproblem auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Mehr noch wiegt der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Nach Zingst und Ahrenshoop hat auch Wustrow acht Wohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern gebaut. Am Donnerstag wurde Richtfest für das Zwei-Millionenprojekt gefeiert.

Nachdem Bürgermeister Daniel Schimmelpfennig (CDU) den letzten Nagel souverän mit wenigen Schlägen ins Dachgebälk geschlagen hat, bleibt dennoch ein Mangel an Wohnraum, den die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tourismusbranche überhaupt bezahlen können. Kommunen in dem touristisch geprägten Gebiet seien endlich wach geworden, um für mehr Wohnraum zu sorgen.

Mietpreis steht noch nicht fest

Der künftige Mietpreis für die neuen Wohnungen in Wustrow steht noch nicht endgültig fest. In den Gremien der Gemeindevertretung wird derzeit über eine Kalt-Miete in Höhe von 8,50 Euro je Quadratmeter gesprochen. Dazu kommen dann noch die Heiz- und Nebenkosten. Ein Quadratmeterpreis unterhalb von 10 Euro liegt damit in weiter Ferne. Die Kaltmiete für eine gut 45 Quadratmeter große Wohnung in dem Neubau in der Osterstraße – das sind die kleinsten Einheiten – nähert sich der 500 Euro-Grenze, zuzüglich der Heiz- und Nebenkosten. Die Höhe des Mietpreises soll im kommenden Monat festgelegt werden.

In der Osterstraße entstehen auf dem Areal der einstigen Kita zwei Mehrfamilienhäuser.
Quelle: Timo Richter

Dennoch setzt der Bürgermeister der Fischlandkommune auf weiteren Wohnungsbau. Dabei werden die dafür nutzbaren Grundstücke in kommunaler Hand mittlerweile knapp. Einzig und allein sieht Daniel Schimmelpfennig Perspektiven für weiteren kommunalen Wohnungsbau auf dem Grundstück der einstigen Gemeindeverwaltung in der Strandstraße. Das Areal soll perspektivisch eine neue Nutzung erhalten, das Wohnen könnte ein Teil davon sein, wie der Wustrower Bürgermeister sagt. Mit den neuen Wohnungen verfügt Wustrow dann über insgesamt 13 Wohnungen in kommunaler Hand.

Wohnungen sollen April/Mai 2022 bezugsfertig sein

Stürmische Böen während des Richtfestes beschrieben auch den Bau der beiden Gebäude auf dem Gelände der einstigen Kindertagesstätte. Corona-Einschränkungen und zuletzt explodierende Preise für Baumaterial hatten den Bau der beiden Häuser verlangsamt. Sprach Daniel Schimmelpfennig vor Kurzem noch von einer Verzögerung von rund acht Wochen, sind es dem Bürgermeister zufolge nun noch etwa vier Wochen. Der Baubetrieb habe mit Arbeit auch am Wochenende einen Teil des Zeitverzugs aufgeholt.

Dieser Richtkranz wehte am Donnerstag über den Neubauten in Wustrow.
Quelle: Timo Richter

Dass die ersten Mieter schon ihr Weihnachtsfest in den neuen Wohnungen feiern können, davon hat sich auch Daniel Schimmelpfennig verabschiedet. Er geht davon aus, dass die Wohnungen im April/Mai kommenden Jahres bezogen werden können. „Das ist realistisch“, ein übermäßig harter Winter dürfe aber nicht dazwischenkommen.

Ahrenshoop und Zingst nehmen 8 Euro je Quadratmeter

Längst bezogen sind die neuen Mietwohnungen in Zingst und in Ahrenshoop, die von der jeweiligen Kommune gebaut wurden. Von sozialem Wohnungsbau mit deutlich geringeren Quadratmeter-Mietpreisen unterhalb des Durchschnitts kann in den Orten nicht die Rede sein. Für die knapp 60 Mietwohnungen nahe der Zingster Gemeindeverwaltung ist eine Kaltmiete in Höhe von acht Euro zu zahlen, wie Bürgermeister Christian Zornow (CDU) sagt.

Eine ähnliche Kaltmiete pro Quadratmeter verlangt auch Ahrenshoop für die neuen Wohnungen in der Fulge. Die Wohnungen dort sind laut dem Ahrenshooper Bürgermeister Benjamin Heinke (CDU) ohne Förderung entstanden, die Kommune könne auf eine gewinnbringende Miethöhe verzichten. Die Mieten müssten die relevanten Kosten decken, anderenfalls könne einer Kommune Subventionierung von Wohnraum vorgeworfen werden.

Vergleichsweise teuer macht die Miete allerdings der Baugrund. Selbst Unternehmen, die laut Benjamin Heinke „richtig gut dastehen“, bauen auf teuren Grundstücken keine Wohnungen, um die kostengünstig an ihre Mitarbeiter zu vermieten. Dabei, sagt der Ahrenshooper Bürgermeister, sei es „zwingend erforderlich Wohnraum zu schaffen“.

Von Timo Richter

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