Start day-news Klärt sich der Konflikt um MVs Klärschlamm?

Klärt sich der Konflikt um MVs Klärschlamm?


Wohin mit MVs Klärschlamm? Die Gesellschafter der Klärschlamm-Kooperation MV (KKMV) haben es nun einstimmig beschlossen: Der Standort Rostock steht, sie haben dem Erbbaupachtvertrag zugestimmt, der das Grundstück neben den Stadtwerken in Bramow für eine neue Klärschlammverbrennungsanlage sichert. Die 17 Gesellschafter – darunter Zweckverbände und Gemeinden aus ganz MV – wollen trotz Gegenwind an der umstrittenen Anlage festhalten. Um den Konflikt über den Bau der Anlage zu entschärfen, soll es nun zudem eine Ausschreibung geben.

Laut KKMV-Aufsichtsrat will die Gesellschaft auch private Unternehmen mit ins Boot holen. Dabei könnten große Player auf dem Entsorgungsmarkt wie Remondis oder EEW eine Rolle spielen. Aufsichtsratschef Lutz Nieke sagt der OZ: „Ich werde um diese Anlage kämpfen.“ Eine Marktabfrage habe es bereits gegeben. Entsorgungsunternehmen haben Interesse bekundet.

„Wir müssen die Grundlagen zum Betrieb der Anlage konkreter festlegen“, so Nieke weiter. Davon verspricht sich die KKMV, das Konfliktpotenzial nach unten zu schrauben. Die KKMV wolle so laut Aufsichtsrat ihr grundsätzliches Vorgehen ändern und mehr auf Dialog setzen. Bis Ende des Jahres soll die Ausschreibung erstellt sein und dann im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.

Baukosten steigen um 20 Prozent

Die Baukosten für die Anlage seien allerdings gestiegen – von 50 auf etwa 60 Millionen Euro. Fertigstellung soll nun nicht vor 2026 sein. Bislang war immer die Rede von 2025. Lutz Nieke betont zudem, dass die geplante Rostocker Klärschlammverbrennungsanlage ein Vorbild hat, das bereits in Betrieb ist – im schweizerischen Zürich. Dort laufe die Anlage bereits erfolgreich und dort wird der Klärschlamm auch direkt vor Ort vorgetrocknet.

An einer zentralen Vortrocknung des Schlammes hatte es in Rostock zuletzt viel Kritik gegeben – da eine dezentrale Vortrocknung an Standorten in Schwerin und Grevesmühlen in Betracht gezogen wurde. Auch die Rückgewinnung von Phosphor, das als Düngemittel für die Landwirtschaft essenziell ist, soll mit der in Bramow geplanten Anlage möglich sein.

Aus Bürgerschaftskreisen ist hingegen bekannt, dass Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) empfehle, das Projekt so lange auszusetzen, bis eine detaillierte Markterkundung vorliegt (Dokument liegt der OZ vor). Das Projekt Klärschlammverbrennungsanlage in Rostock solle zudem noch einmal einer intensiven Überprüfung unterzogen werden.

Die KKMV

2012 gründeten sechs Gesellschafter die Klärschlamm-Kooperation Mecklenburg-Vorpommern GmbH. Zu den Gründungsgesellschaftern gehören unter anderem der Warnow-Wasser- und Abwasserverband und der Wasserversorgungs- und Abwasserzweckverband Güstrow-Bützow-Sternberg.

Seit Dezember 2020 besteht die Gesellschaft aus 17 Gesellschaftern aus ganz MV. Damit entwickelt sich die KKMV nach eigenen Angaben zu einer der größten Klärschlamm-Kooperationen Deutschlands.

Zwei Lager in Rostocker Stadtverwaltung

In der Rostocker Stadtverwaltung scheint es offensichtlich zwei Lager zu geben. Der grüne Umwelt- und Bausenator Holger Matthäus sprach sich immer für den Bau der umstrittenen Anlage aus. Dem entgegen steht ein von der Stadtverwaltung beauftragtes Gutachten, in dem die Gutachter empfehlen, die Anlage so nicht zu bauen. Zu teuer sei sie und nicht klimaneutral.

KKMV-Aufsichtsratschef Lutz Nieke kritisiert dazu, dass die Klärschlamm-Kooperation gar nicht in die Erstellung des Gutachtens involviert gewesen sei. Daher wolle die Gesellschaft nun offener mit der Planung der Anlage umgehen. Zuletzt wurden die Anteile neu auf die Gesellschafter verteilt, da die Stadt Güstrow weniger Klärschlamm einspeisen wird, als ursprünglich angenommen.

Von Michaela Krohn

Must Read

Vier Wochen Ausbruch auf La Palma: der Vulkan vor der Haustür

Manchen Palmeros wird es zu viel mit den schlechten Nachrichten. „Die Insel La Palma ist ein sicheres Gebiet“, schreiben acht Inselverbände in einem...

Rechte Gewalt vor Gericht: Kollektive Motivationslosigkeit (nd aktuell)

Die Staatsanwaltschaft wirft zwei Männern aus der rechtsextremen Szene schweren Raub und gefährliche Körperverletzung vor, nachdem sie im April 2018 zwei Fotografen im...

Bomben-Entschärfung in Osnabrück am Sonntag: Zehntausend werden evakuiert

Blindgänger aus dem 2. WeltkriegAm Sonntag werden 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner in Osnabrück evakuiert. © Martin Dziadek/imagoBis um 9 Uhr müssen Häuser inOsnabrück leer...

Unsere Kameras für Fotos und Videos | c’t uplink 40.1

Bei einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und des Photoindustrie-Verbands (PiV) im August gaben 30...