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Kehrt im Herbst das studentische Leben zurück?


Berlin. Leer, leerer, Unicampus: So lässt sich das Leid vieler Studierender in der Pandemie beschreiben. Seit drei Semestern spiele sich kaum noch Leben auf den Universitätsgeländen ab, sagt Paul Klär, Vorstandsvorsitzender von „freier Zusammenschluss von Student*innenschaften“(fzs). „Es gibt Unis, die jetzt zum ersten Mal seit Pandemieausbruch die Bibliotheken wieder öffnen.“

Gibt es im kommenden Wintersemester wieder normales Leben an den Hochschulen? Die positive Entwicklung bei der Infektionslage macht Hoffnung. Gleichzeitig bleibt natürlich, wie im Rest der Gesellschaft, die Unsicherheit, wie genau es mit der Pandemie weitergeht. Insgesamt überwiegt bei Politikern und Hochschulverantwortlichen aber die Zuversicht.

Regional gibt es noch Unterschiede, aber auch einen klaren Trend. Aktuell öffnen etwa die Hochschulen in Berlin seit Anfang Juni für kleine Lerngruppen ihre Räume, wohingegen die Universität Hamburg an der digitalen Lehre festhält. Der Tenor zu den Plänen für das kommende Wintersemester ist in den Städten und Bundesländern jedoch gleich: Präsenzveranstaltungen sollen dann wieder zum Regelfall werden.

Länder planen Präsenzbetrieb ab Herbst

So haben in Brandenburg die Hochschulen, Studierendenvertretungen und Studentenwerke im Juni eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie schreiben: „Ziel ist, dass mindestens 50 Prozent der Lehrangebote im Wintersemester 2021/22 in Präsenz stattfinden können.“ Auch auf dem Campus, in der Mensa und in der Bibliothek soll wieder das Leben zurückkehren. Zudem sollten die Erfahrungen der digitalen Lehre evaluiert und als Ergänzung weiterentwickelt werden – um eine „neue Normalität“ an der Uni zu schaffen.

Auch Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) und Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) äußerten bereits: Im kommenden Wintersemester sollten Präsenzveranstaltungen nach Möglichkeit wieder zum Regelfall werden. Seit dem 7. Juni greife in Bayern zudem ein Konzept, das Sibler als „Brücke“ zum kommenden Semester bezeichnet: Auf freiwilliger Basis werden aktuell Präsenzveranstaltungen angeboten.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) stimmt vor allem die Impfkampagne zuversichtlich: „Jetzt zeichnen sich neue Möglichkeiten ab. Ich hoffe, dass die Impfquote bald so hoch und die Inzidenz so niedrig ist, dass wir auch Hörsäle – mit oder ohne gewisse Vorkehrungen – wieder füllen können“, sagt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die niedersächsischen Hochschulen besäßen wiederum große Autonomie, wodurch sie standort- und studiengangabhängig Konzepte erstellen könnten.

Studentenvertreter fordert: „Plan B“ muss existieren

Der Infektionsschutz steht bei Überlegungen zu Präsenz- oder Onlinelehre an erster Stelle, findet der Student Paul Klär vom fzs. Insgesamt sei er hoffnungsvoll gestimmt, dass die Campus spätestens ab dem Herbst wieder belebter sind, auch dank der Impfkampagne und der Teststrategie. „Aber endgültig sagen kann man es nicht“, sagt Klär im Gespräch mit dem RND.

Auch im vergangenen Sommer gab es wenige Corona-Infizierte. Für das im Herbst 2020 gestartete Semester wurde zuvor Präsenzlehre angekündigt, doch es kam anders: Plötzlich musste man wieder auf digitale Lehre umstellen, da die Fallzahlen stiegen. Daher lautet nun Klärs Forderung: Die Verantwortlichen sollten einen „Plan B“ schmieden, sodass sie in diesem Jahr nicht von der Infektionslage überrascht werden.

Wichtig sei Klärs Meinung nach, dass sich die Studierenden erneut auf den Campus aufhalten können. „Was ihnen gerade fehlt, ist nicht ausschließlich im Vorlesungs- oder Seminarraum sitzen zu können“, sagt Klär. Besonders die Interaktion und das Zwischenmenschliche vermissten sie.

Zudem sollte auch im Falle einer vierten Welle bedacht werden, dass Studierende einen Arbeitsplatz brauchen – und nicht unentwegt im WG-Zimmer arbeiten können. Auch Räume für kleinere Gruppenarbeiten sollten verfügbar sein. „Das braucht Planung und Arbeitskraft in den Unis, aber es sollte berücksichtigt werden“, so Klär.

DHV-Präsident: Hochschulen brauchen Vorgaben

„Sinkende Infektionszahlen und eine Fahrt aufnehmende Impfkampagne nähren die Hoffnung, wieder verstärkt zur Präsenzlehre zurückkehren zu können“, sagt Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands (DHV). Die Bereitschaft hierfür sei in den Ländern und Hochschulen vorhanden. „Vorlauf und Planung sind aber unerlässlich“, betont Kempen jedoch. Noch fehlten die eindeutigen Voraussetzungen.

„Die Hochschulen brauchen klare Vorgaben mit Blick auf Gruppengrößen, Abstandsregeln und Testmodalitäten. Der Ball liegt damit weiter in den Händen der Politik“, sagt er dem RND. Nach dem Wegfall der Impfpriorisierung müsse zudem die Immunisierung der Studierenden beschleunigt werden, etwa durch die Einbeziehung der Universitätsklinika.

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