Start day-news Hafenbild aus Wolgast kehrt nach fast 100 Jahren zurück

Hafenbild aus Wolgast kehrt nach fast 100 Jahren zurück


Der regionalen Kunst und Bewahrung ihrer Historie widmet sich bereits seit anderthalb Jahrzehnten der Koserower Kunstsalon. Der neueste Coup in diesem Bestreben ist dem Galeristen Ralf Waschkau erst kürzlich gelungen. Bei einer privaten Auktion in Baden-Württemberg gelang es ihm, ein Original des 1864 in Wolgast geborenen und später als Marinemaler zu großem Ruhm gekommenen Willy Stöwer zu entdecken und zu ersteigern.

Das Gemälde zeigt Segler im Wolgaster Hafen-Winterlager und darf als Beleg für die dekorative und technisch gekonnte Malerei Stöwers gelten. Entstanden ist es im Jahr 1923, als der Künstler sich autobiografisch seiner Kindheit in Wolgast erinnerte. Die Jahre, da sich Stöwer vor allem als kaiserlicher Marinemaler bleibendes Renommee erwarb, waren mit dem Ende des 1. Weltkrieges und der Abdankung des Kaisers, der selbst ein großer Bewunderer und Förderer Stöwers war, vorüber. Nun widmete er sich anderen Tätigkeitsfeldern, kooperierte mit Reedereien und hielt seine Kindheitserinnerungen fest; auch mittels malerischer Rückbesinnungen.

Wunsch nach regionalem Kunstmuseum

„Es wäre sehr wünschenswert, wenn dieses historische Zeugnis der Öffentlichkeit in geeigneter Form zugänglich bliebe“, findet Waschkau. Aber wo wäre der dafür am besten geeignete Platz? Womöglich im Wolgaster Stadtmuseum oder im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald? Da jedoch Letzteres sich bekanntlich stärker der Romantik verschrieben hat und nur punktuell Usedomer Malerarbeiten ausstellt, fehlt es nach Auffassung des Koserower Galeristen an einem regionalen Kunstmuseum. „Eine zentrale Stätte, in der das Erbe von Runge, Feininger, Pechstein und der Insel-Künstlergemeinschaft bewahrt würde“, wäre nach Ansicht des Experten die optimale Lösung, sie und andere nicht dem Vergessen anheimfallen zu lassen. Ja mehr noch, der zeitgenössischen Kunst würde ein Forum geschaffen, diese Traditionslinie weiterzuführen. Doch die Geldsäckel sind allenthalben leer, Mäzene besonders im Osten Deutschlands rar gesät.

Zurück zu Stöwer. Zwar sind einige seiner Bilder, wie die Darstellung des Untergangs der „Titanic“, noch immer sehr bekannt, werden aber kaum mit seinem Namen in Verbindung gebracht. Umso schöner, dass nun eines seiner ganz seltenen Wolgaster Werke wieder heimgekehrt ist. Schließlich war Stöwer als herausragender Marinemaler eher auf allen Weltmeeren „zu Hause“. Seinen Vater, der selbst als Kapitän von Wolgast aus auf große Fahrt ging, sah er nur während der Wintermonate, wenn die Segelschiffe abgetakelt im Schutz des Hafenbeckens lagen, Reparaturen durchgeführt wurden, und die Schiffer auf neue Fracht im Frühjahr warteten.

Stöwer begleitete den Kaiser

Willy Stöwers Zeichentalent wurde früh erkannt, und er erhielt bald erste Aufträge als Maler, Zeichner und Illustrator. Seine Technik hatte er sich selbstständig angeeignet. Er begleitete Kaiser Wilhelm II. zwischen 1905 und 1912 auf mehreren seiner Schiffsreisen. 1907 wurde ihm der Professorentitel verliehen. Stöwer war Vorstandsmitglied des Deutschen Flottenvereins und bildete mit Carl Saltzmann und Hans Bohrdt das „überragende Dreigestirn“ der wilhelminischen Marine- und Flottenmalerei“. Durch zahlreiche Publikationen und kaiserliche Förderung stand er lange Zeit im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung, seine Darstellungen erfreuen sich bis heute großer Popularität. Allerdings war die Rezeption seiner Arbeiten auch immer wieder dem Vorwurf der Kriegsverherrlichung ausgesetzt und wurde als „Trivialkunst“ verworfen.

Bilder mit Motiven seiner Heimatstadt Wolgast sind im Schaffen des Künstlers kaum bekannt. Im Zuge der Entstehung seiner 1929 veröffentlichten Autobiografie „Zur See mit Pinsel und Palette“ entstanden jedoch einige, die zumeist Hafen- und Stadtsituationen aus seiner Jugendzeit reflektieren. Die im Bild sichtbare Barockhaube der Petrikirche existierte zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes nicht mehr. Sie war einem Kirchenbrand 1920 zum Opfer gefallen und durch ein achteckiges Zeltdach ersetzt worden. Der im Vordergrund sichtbare Hafenspeicher, der 1835 erbaut wurde und als einer der größten seiner Art in Europa galt, wurde 2006 durch Brandstiftung zerstört. Unterhalb der Kirche wird die Einmündung in die Kronwiekstraße sichtbar, in der Stöwers Geburtshaus stand.

Von Steffen Adler

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