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Groß, größer, Steaua (nd aktuell)


Zu groß für das neue Steaua in der zweiten Liga: Ins nagelneue Bukarester Stadion kamen zum Spiel gegen Dunarea Calarasi nur 500 Zuschauer.

Zu groß für das neue Steaua in der zweiten Liga: Ins nagelneue Bukarester Stadion kamen zum Spiel gegen Dunarea Calarasi nur 500 Zuschauer.

Foto: imago images/Razvan Pasarica

Der Sommer ging für mich in Bukarest zu Ende. Anfang Oktober war es dort noch sehr warm, am Tage reichte ein T-Shirt bei der Pirsch durch Stadien, über Friedhöfe und zu verwunschenen Orten dieser Stadt. Rumäniens Hauptstadt ist ein Besuch wert, auch wenn es vielleicht nichts für Komfortreisende ist. Die Menschen sind nett und gastfreundlich, obzwar viele von ihnen zu kämpfen haben, um jeden Monat halbwegs über die Runden zu kommen.

Fußball wird auch gespielt, die Stadt hat drei Erst- und zwei Zweitligisten. Die sportliche Qualität ist bescheiden – bis auf einen spielen alle Nationalspieler im Ausland – und die Zuschauerzahlen sind dürftig, nur zu den großen Bukarester Derbys strömen die Massen.

1986 holte Steaua Bukarest als erster osteuropäischer Verein den Europapokal der Landesmeister und kickte dabei unter anderem Bayern München in den Sumpf des Vergessens. Lang ist es her, inzwischen hat der Kapitalismus gesiegt und den osteuropäischen Fußball dreimal ausgesaugt und fünfmal ausgespuckt. Seit 2017 spielt der Klub unter dem Namen FCSB – weil der Oberste Gerichtshof des Landes entschieden hatte, dass er den Namen Steaua und die alten Vereinsfarben nicht mehr tragen darf.

Geklagt hatte das rumänische Verteidigungsministerium – weil Steaua 1947 als Militärverein gegründet worden war. Die Marke Steaua gehört also wieder der Armee. 70 Jahre nach der ersten Vereinsgründung begann eine neu entstandene Fußballabteilung unter dem Namen CSA Steaua Bukarest in der untersten Liga von vorn, unterstützt durch die meisten Ultras. Der neue Verein ist mitgliedergeführt. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Steaua dem FCSB das Wasser abgraben kann. Als jüngst der FCSB gegen Steauas alten Feind Dinamo Bukarest spielte, waren über 30 000 Menschen im Stadion – das ist auch eine Hausmarke.

Seit vier Jahren kommt der rumänische Meister aus Cluj. Das teuerste und nominell stärkste Team aber stellt permanent der SC Fotbal Club FCSB SA aus Bukarest. Warum? Die Antwort ist einfach: wegen Gigi Becali, seit 18 Jahren Eigentümer des Klubs. Das wesentliche Markenzeichen des Unternehmers ist seine gelebte Vulgarität in der Öffentlichkeit. Geboren als Bauernbub, gelangte er zur steinzeitkapitalistischen Wendezeit in Rumänien zu gigantischem Reichtum. Becali ist mehrfach vorbestraft, leugnet den Holocaust, hetzt gegen Homosexuelle und ist selbstverständlich ein guter orthodoxer Christ. Er ist der beste Trainer der Welt, der beste Funktionär, der schönste und potenteste Mann Rumäniens, der allerbeste Alleskönner … Weil dieser unerträgliche Kerl bezahlt, kann er heuern und feuern, wie es ihm beliebt.

Weil das Verteidigungsministerium es Becali verboten hat, darf sein FCSB nicht mehr das nagelneue Steaua-Stadion nutzen. Dort kickt das neue Steaua, das seit dieser Saison in der zweiten Liga kickt. CSA Steaua Bukarest dürfte aber aktuell aus fadenscheinigen Gründen nicht in die erste Liga aufsteigen. Wohl auf Druck von Big Brother Becali geht es nur mühsam voran, er möchte natürlich keinen weiteren Fressfeind in Stadt und Liga.

Steaua ist kein Einzelfall, in Rumäniens gibt es viele Neu- und Zweitgründungen. Auch in Craiova, Cluj und Timisoara buhlen zwei Vereine mit identischen Wurzeln um die Gunst der Massen. Einer wird meist von einem lokalen Oligarchen angeführt. Es ist kompliziert und fabelhaft chaotisch, es ist der wilde Balkan, wie ich ihn liebe.

Bei unserem Besuch blieben die Steaua-Ultras dem Spiel gegen Dunarea Calarasi leider fern, da sie die coronabedingten Maßnahmen des Fußballverbandes ablehnen. Schade, wir hätten sie gern flirtend erlebt, zumal Steaua vor rund 500 Zuschauern 3:0 gewann und weiter oben mitspielt.



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