Start day-news Greifswalds neue E-Roller im OZ-Test: Fahrspaß mit schlechtem Gewissen

Greifswalds neue E-Roller im OZ-Test: Fahrspaß mit schlechtem Gewissen


Während sich die einen über die neuen elektronischen Flitzer freuen, fürchten die anderen chaotische Zustände auf den Straßen und Gehwegen der Hansestadt: Die 100 E-Roller, die seit einigen Tagen in der gesamten Stadt verteilt zum Ausleihen bereitstehen, polarisieren. Das merke ich schnell, nachdem ich selbst auf einem E-Roller stehe und damit quer durch die Stadt düse.

Einige Verkehrsteilnehmer schauen mich skeptisch an, während ich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h an ihnen vorbeifahre. Ich habe das Gefühl, dass ich mich rechtfertigen muss. In meinen Gedanken sage ich Sätze wie: „Ich wollte es nur mal ausprobieren“ oder „sonst fahre ich immer Fahrrad“. Doch der Fahrtwind lässt das Rechtfertigungsbedürfnis verschwinden.

Teurer Spaß für eine Fahrt

Ich stehe nicht zum ersten Mal auf einem E-Roller. Doch eine Premiere ist es, mit dem Flitzer auf den Strecken meiner Heimatstadt unterwegs zu sein, die ich sonst immer mit dem Rad absolviere. Doch bevor die wilde Fahrt losgehen kann, muss ich mir erst einmal die App „Moin“ der Rostocker Firma MIR Solutions GmbH herunterladen, die die E-Roller in Greifswald zur Verfügung stellt. Ein Schnäppchen ist so eine Fahrt auf dem Roller nicht. 25 Cent pro Minute muss gelöhnt werden – hinzu kommt ein Euro Startgebühr. Bezahlt wird via Kreditkarte oder Paypal.

Auf einer digitalen Straßenkarte in der App werden die verfügbaren E-Roller in der Nähe angezeigt. An der Europakreuzung scheint ein voll aufgeladener Roller nur auf mich gewartet zu haben. Mit einem QR-Code auf dem Lenker schalte ich den Roller in der App frei. Los geht’s.

Ich will es erst einmal langsam angehen und fahre beginnend vom Theater aus in Richtung Eldena einfach stur geradeaus. Auf Höhe der Schwimmhalle wird es etwas rumpeliger. Ich merke, dass ich genauer auf den Boden gucken muss. Meine größte Angst sind Kastanien und Stöcker, die möglicherweise unter den herabgefallenen Laubblättern liegen und mich zu Fall bringen könnten. Deshalb gehe zwischenzeitlich mit der Geschwindigkeit etwas herunter. Ich brauche 15 Minuten bis nach Eldena. Kurzer Zwischenstopp bei meinen Eltern. Die wollen den Roller auch mal ausprobieren.

Balance halten auch wenn es irgendwo juckt

Ich drücke in der App auf Pause und mir wird angezeigt, dass ich jetzt trotzdem noch 15 Cent pro Minute zahlen werde. „Abzocke“, denke ich. Also muss es schnell gehen, der Roller wird wieder angeschmissen. Mein Vater versucht sich als erstes, resigniert aber in den Kurven und steigt lieber wieder ab. Mein Mutter traut sich die Kurve zwar zu, landet dabei aber fast im Gartenbusch der Nachbarn. Bevor ich wieder losfahre, gibt’s noch Schimpfe, warum ich keinen Helm trage. Gute Frage, denke ich, während ich wieder losfahre. Nun geht’s zurück in Richtung Stadt.

Die kleine Erhebung auf der Koitenhäger Landstraße, bei der ich mich sonst mit dem Rad abquäle, ist dieses Mal dank des Rollers mit Leichtigkeit zu bewältigen. Während der Fahrt in Richtung Ernst-Thälmann-Ring muss ich mich am Kopf kratzen. Geht nur nicht, weil ich sonst die Balance verlieren würde. Also durchstehen, bis das Jucken von allein aufhört. Nun will ich es aber wissen und fahre mit dem E-Roller auf den ausgewiesenen Radwegen auf der Anklamer Straße. Mit ungewöhnlich großem Abstand überholen mich die Autos. Kenne ich sonst als Radfahrerin anders.

E-Roller mitten auf dem Weg geparkt theoretisch möglich

An der Europakreuzung dann ein kurzer Schock. Der Roller fährt nicht mehr. Ich muss das gefühlt 20 Kilogramm schwere Teil über die Ampel schieben. Ich versuche ihn nochmal anzuschalten, klappt auch. Ich fahre direkt zur OZ-Redaktion. Meine Kollegen wollen auch nochmal rauf.

Meine Hände sind durchgefroren, meine Beine leicht taub vom ganzen Stillstehen. Für mich ist die Fahrt beendet. Ich stelle den Roller neben dem OZ-Gebäude ab und stelle ihn testweise mitten auf dem Gehweg ab, wo er auf jeden Fall Fußgänger stören würde. Soll ja eigentlich nicht gehen. Ich klicke „Fahrt beenden“ in der App an und muss ein Foto des E-Rollers hochladen. Theoretisch könnte ich den Roller da jetzt einfach stehen lassen, mache ich aber nicht, sondern räume ihn zur Seite. Meine Fahrzeit betrug 1:12:30. Ich habe 15 Kilometer zurückgelegt und zahle dafür jetzt 19,05 Euro.

Fazit der Ausfahrt? Als tägliches Transportmittel kommt für mich ein E-Roller nicht infrage. Wenn ich aber mal einen platten Reifen habe und spontan irgendwo hin möchte, ist der Roller eine schnell erreichbare Alternative. Mit mehren Leuten durch Greifswald cruisen macht bestimmt auch ganz schön Bock. Probieren Sie es ruhig mal aus.

Von Christin Lachmann

Must Read

2G oder 3G: Diese Corona-Regeln gelten in Niedersachsen zu den Herbstferien

Urlaub und vollständig geimpft - mit dieser Formel ist vieles möglich. Komplizierter wird es für Personen ohne Impfschutz, sie müssen genau planen. Die...

Chinesische Astronauten erreichen Raumstation | heise online

Chinas Astronauten-Trio hat rund sechseinhalb Stunden nach dem Start die Raumstation "Tiangong" ("Himmlischer Palast") erreicht. Wie die...

Daimler und Co.: SUV-Fahrern drohen Bußgelder bei Fahrt auf Autobahn

VonFranziska VystrcilschließenLängst fahren große SUVs nicht nur mehr auf amerikanischen Straßen. Auch in Deutschland sind die Geländelimousinen beliebt. Doch SUV-Fahrern droht...

Chef der Gesundheitsministerkonferenz: Holetschek warnt vor „humanitärer Katastrophe“ in der Pflege – Politik

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), hat in der Alten- und Krankenpflege vor einer "humanitären Katastrophe" gewarnt und deutlich mehr...