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Frauen trainieren Kids in Lubmin 


Der Sturm pfeift über den Platz. Dicke Wolken ziehen zum Waldstadion. Doch Thore ficht das Wetter nicht an. Mit Feuereifer rennt der Siebenjährige dem Ball hinterher, drippelt gekonnt um einen Spieler herum, um dann mit voller Kraft gegen das Leder zu treten. „Fußball macht Spaß“, sagt der Erstklässler knapp und ist auch schon wieder am Rennen. Ob Thore, Pia, Gustav, Ben oder all die anderen der F-Jugend des SV Sturmvogel Lubmin – die Lütten sind kaum zu halten. „Es ist wirklich schön, zu sehen, mit welcher Motivation sie hier antreten“, sagt ihre Trainerin Stefanie Förster. Seit Juni bringt die alleinerziehende Mutter den Sieben- bis Neunjährigen das Einmaleins des Fußballs bei. Ein Ehrenamt, das es in sich hat. „Dem kann ich nur Respekt zollen!“, würdigt Steffen Hansen, stellvertretender Vereinsvorsitzender, das Engagement.

Stefanie Förster hat selbst über zwei Jahrzehnte aktiv Fußball gespielt. „Ich habe mit fünf Jahren bei den Jungs in Kemnitz, wo ich auch aufgewachsen bin, angefangen“, erzählt die gebürtige Greifswalderin. Bald darauf spielte sie beim Verein SSV Grün-Schwarz in der Mädchenmannschaft. Später waren es der SV Greif, der Greifswalder SV, Pommern Greifswald und letztlich der Greifswalder FC. Trainer entdeckten früh ihr Talent. „Ich habe auch mit Toni und Felix Kroos in der Landesauswahl des Deutschen Fußball-Bundes trainiert. Aber das ist wohl schon zehn Jahre her“, blickt die Übungsleiterin zurück. Sie sei sehr erfolgreich gewesen, sollte stärker gefördert werden, auf eine Fußballschule wechseln. „Aber ich war ein Mamakind, konnte mich einfach nicht von zu Hause trennen“, verrät Stefanie Förster.

Stefanie Förster war früher selbst aktive und erfolgreiche Fußballerin, jetzt trainiert sie die Lütten.
Quelle: Petra Hase

Von der Resonanz überwältigt

Als sie 2014 schwanger wurde, musste sie die Fußballschuhe erst einmal an den Nagel hängen. „Aber nach der Geburt meiner Tochter habe ich wieder gespielt“, sagt die Medizinische Fachangestellte, die in einer Arztpraxis arbeitet. Irgendwann kam jedoch der Zeitpunkt, da sie die familiären und beruflichen Verpflichtungen nicht mehr mit dem Hobby unter einen Hut bringen konnte. Stefanie Förster hörte auf. Als Steffen Hansen sie im Frühjahr allerdings fragte, ob sie Lust hätte, Kinder zu trainieren, konnte die aktive Frau nicht Nein sagen.

Am 1. Juni lud der Verein fußballinteressierte Mädchen und Jungen zum Kindertag auf den Sportplatz. „Etwa 25 kamen. Wir waren total überwältigt, denn mit so vielen hatten wir nicht gerechnet“, erzählt die Greifswalderin. Um die Lust der Knirpse durch eine Sommerpause nicht zu trüben, fanden die wöchentlichen Trainingszeiten auch in den Ferien statt. Die große Gruppe wurde geteilt: Die unter Siebenjährigen (G-Jugend), auch „Bambinis“ genannt, trainieren heute Ringo Gerlach-Braasch und seine Tochter Emma. Stefanie Förster hingegen widmet sich gemeinsam mit Meike Gundermann den Sieben- bis Neunjährigen. Die Arbeit im Duo sei gut, falls doch mal einer ausfalle. Beide Frauen ergänzen sich optimal. Auch Gundermann begann früh mit dem Fußball. „Ich war vier Jahre alt, spielte beim SV Traktor Pentz“, erzählt die 32-Jährige, die in Lubmin wohnt, bei der EWN arbeitet und ebenfalls alleinerziehend ist. Ihre Tochter Nila rennt auch mit Begeisterung dem runden Leder hinterher, ist bei den Bambinis: „Sie ist sechs Jahre alt und kommt nächstes Jahr zur F-Jugend“, erzählt stolz ihre Mutter Meike.

Die F-Jugend mit ihren Trainerinnen und Sponsoren
Quelle: Petra Hase

Ehrenamt kostet viel Zeit

Wie Stefanie Förster und alle anderen Übungsleiter bindet sie viel Zeit ans Ehrenamt. „Das ist ja nicht nur die Trainingsstunde auf dem Sportplatz. Das ist auch Vor- und Nacharbeit. Stationen müssen aufgebaut, Trainingskonzepte erstellt werden. Und das Aufräumen gehört ebenso dazu wie die Gespräche mit den Kindern und Eltern“, verdeutlicht Steffen Hansen, dessen Tochter Pia (9) ebenfalls zur F-Jugend-Mannschaft gehört. Außerdem gibt es natürlich noch die Wettkämpfe an Wochenenden. Gerade nahm das Nachwuchsteam aus Lubmin an einem Funino-Turnier in Trinwillershagen statt.

Geld bekamen die Trainerinnen für ihr Engagement bislang nicht, könnten aber eine Übungsleiterpauschale geltend machen, so Hansen. Stefanie Förster zuckt mit den Schultern: „Ich freue mich einfach sehr, den Kindern mein Wissen weitergeben zu können. Es ist wichtig, dass sie nicht den ganzen Tag vor der Konsole sitzen, sondern sich draußen aktiv bewegen. Sie sollen das Wir-Gefühl und auch eigene Erfolge erleben“, begründet sie ihr Wirken.

Volker Kieckhefen überreicht Gustav ein Sportshirt.
Quelle: Petra Hase

Alternative zu digitalen Medien

Ähnlich sieht das Steffen Hansen: „Unser Verein will den Kindern eine Alternative zu den digitalen Medien bieten.“ Mit Erfolg. Die Nachfrage ist groß, Eltern sind begeistert, wie etwa Kathleen Frank: „Thore wollte unbedingt am ersten Training im Juni teilnehmen. Er hat schon vorher gern Fußball gespielt und freut sich, jetzt in der Mannschaft zu sein“, erzählt die Mutter. Auch Ulrike und Rico Kieckhefen sind begeistert, dass ihr Sohn Ben neuerdings so viel Spaß beim Fußball hat. „Viele Eltern kennen sich, das macht es leicht, den Transport zu Turnieren abzusichern“, sagt die Mutter.

Von den 350 Vereinsmitgliedern sind rund ein Drittel Kinder und Jugendliche. „Nicht alle spielen sie Fußball“, berichtet Steffen Hansen. Ein Teil gehe auch anderen Sportarten nach, so der 34-Jährige. Denn Katrin Seiffert, ebenfalls Vorstandsmitglied beim SV Sturmvogel, biete als Sportkoordinatorin des Amtes Lubmin in der Grundschule Wusterhusen auch Breitensport in Arbeitsgemeinschaften an.

Das ehrenamtliche Engagement der Trainerinnen kommt übrigens auch bei einheimischen Firmen gut an. Volker Kieckhefen, Inhaber des Lubminer Edeka-Marktes, und Klemens Saß von HAB Wusterhusen fördern die Arbeit, indem sie der F-Juniorenmannschaft Trainingsanzüge und Sportshirts finanzierten. Die Lütten freuen sich. Künftig rennen Ben, Thore, Pia, Gustav und alle anderen im Team in Rot-Schwarz auf den Platz.

Von Petra Hase

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