Start day-news Folge der Lieferengpässe: Weihnachtsfreuden in Gefahr

Folge der Lieferengpässe: Weihnachtsfreuden in Gefahr


Stand: 06.10.2021 11:03 Uhr

Lebkuchen und Spekulatius stehen seit August in vielen Supermarktregalen. Weihnachtsartikel aus dem Non-Food-Bereich lassen aber auf sich warten oder fehlen ganz – eine Folge von Materialmangel und Lieferengpässen.

Im Dekoparadies „Andreas“ in Dietzenbach erstrahlt normalerweise ab August alles in weihnachtlichem Glanz. Auf 8500 Quadratmetern sollten auch in diesem Jahr längst mehr als 15.000 Dekoartikel bereitstehen. Doch irgend etwas stimmt nicht. Auf bemerkenswerte 40 Prozent seiner Ware wartet Geschäftsführer Marco Andreas noch: „Container sind nicht verfügbar, Schiffe sind ausgebucht, Lkw fahren nicht.“

Preise für Container aus Fernost explodieren

Ein weltweiter Rohstoffmangel und die stark gestiegene Nachfrage sind zwei von vielen Gründen. Normalerweise werden die meisten der hierzulande verkauften Dekoartikel in Asien produziert. Doch die Produktionskapazitäten sind komplett überlastet.

Ein weiterer, gewichtiger Grund: kaum verfügbare Schiffscontainer oder nur solche, die zu absurd hohen Preisen gebucht werden können. Bezahlten deutsche Unternehmen im Januar 2019 noch rund 2000 Dollar pro Container aus Shanghai bis zum Umschlagplatz in Hamburg, waren es zuletzt 20.000 Dollar pro Container.

Christbaumkugeln und Co werden teurer

Die Folge dieser zehnfachen Rate für einen Container: ein Preisanstieg. Vor allem voluminöse Artikel, also solche, die beim Transport viel Platz einnehmen, kosten mehr: Bis zu 15 Prozent wird die Weihnachtsware in diesem Jahr teurer – wenn sie denn verfügbar ist. Lücken im Sortiment werden derzeit vielerorts mit neutralen Artikeln aus dem Sommer aufgefüllt. Dabei ist gerade das Geschäft mit der Weihnachtsdeko für viele Händler von großer Bedeutung: Geschätzt eine Milliarde Euro planen die Deutschen in diesem Jahr dafür auszugeben.

Und nicht nur der Fachhandel hat mit den Problemen zu kämpfen. Auch Unternehmen wie Kik bestätigen, „dass unsere Waren trotz Vereinbarung nicht mitgenommen werden, weil Wettbewerber bereit sind mehr zu zahlen. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Anlieferung der Weihnachtsdekoration.“ Auch Lidl hat Schwierigkeiten und „die entsprechenden Werbetermine angepasst“.

Warten auf die Adventskalender

Genau wie die Weihnachtsdekoration haben auch Adventskalender logischerweise einen sehr kleinen Angebotszeitraum. Rund 80 Prozent der Deutschen wollen auch in diesem Jahr Kalender kaufen; in diesem Geschäftsfeld werden jährlich mittlerweile 100 Millionen Euro ausgegeben. Den insgesamt größten Umsatz holen dabei mit rund 35 Millionen Euro die Spielzeugkalender.

Einer der Hersteller, das Spielzeugunternehmen Craze in Karlsruhe, feierte in den vergangenen Jahren große Erfolge mit Themen-Adventskalendern. Doch die Erfolgswelle ist in diesem Jahr gefährdet, erzählt Prokurist Florian Lipp: „Aktuell haben wir Zeitverzögerungen von bis zu drei Wochen, und das ist bei einem solch saisonalen Produkt besonders nervenaufreibend.“

Denn ein Adventskalender lässt sich schließlich ab Dezember nicht mehr verkaufen, der Angebotszeitraum ist begrenzt. Und noch etwas ist an diesem Produkt besonders: Die höheren Kosten durch die gestiegenen Rohstoff- oder Containerpreise lassen sich nachträglich nicht mehr weitergeben. Bereits im Frühjahr werden die Verträge mit den Händlern abgeschlossen und die Preise festgelegt.

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth | EPA

Einschätzung des Handelsverbands HDE

„Die Suche nach passenden Weihnachtsgeschenken ist auch in diesem Jahr gesichert“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, der Nachrichtenagentur Reuters. Zwar könnten auch diesmal Neuerscheinungen und neue Modelle sehr gefragter Produkte knapp werden, da es hier zu Produktionsengpässen kommen könne. „Dass die Menschen bei ihrem Weihnachtseinkauf vor leeren Regalen stehen, ist aber nicht zu erwarten“, so Genth.

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