Start day-news Ebola-Einsatz im Kongo: WHO-Mitarbeiter nach sexueller Ausbeutung am Pranger

Ebola-Einsatz im Kongo: WHO-Mitarbeiter nach sexueller Ausbeutung am Pranger



Widerlich: Als WHO-Mitarbeiter im Kongo gegen Ebola gekämpft haben, sollen sie lokale Angestellte sexuell ausgebeutet haben. Eine Untersuchung erschüttert.

Genf – Die Vorwürfe wiegen schwer, weil sie ausgerechnet gegenüber der Weltgesundheitsorganisation WHO erhoben werden. Wie eine Untersuchung hervorbrachte, sollen humanitäre Helfer während des Ebola-Einsatzes in der Demokratischen Republik Kongo* zwischen 2018 und 2020 Dutzende Frauen und Männer sexuell ausgebeutet oder vergewaltigt haben.

Organisation: Weltgesundheitsorganisation WHO
Gründung: 7. April 1948
Hauptsitz: Genf, Schweiz
Oberorganisation: Vereinte Nationen
Generaldirektor: Tedros Adhanom Ghebreyesus

Das berichtete die von der WHO eingesetzte Untersuchungskommission am Dienstag, 28. September 2021, in Genf. „Das ist ein erschütternder Bericht“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus nach Angaben der dpa.

WHO-Mitarbeiter beuten Kongolesen bei Ebola-Einsatz sexuell aus: 63 Frauen und zwölf Männer betroffen

Die Kommission gibt an, mit 63 betroffenen Frauen und zwölf Männern gesprochen zu haben. Dabei dokumentierten sie neun Fälle, in denen Frauen eine Vergewaltigung meldeten. Ebenfalls 29 Schwangerschaften wurden aufgedeckt. Das besonders abscheuliche daran: Die meisten der vergewaltigenden Männer stritten die Tat allem Anschein nach ab oder behaupteten sogar noch, dass der Sex einvernehmlich gewesen sei.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bat die Vergewaltigungsopfer um Entschuldigung. (Archivbild)

© Al-Hadji Kudra Maliro/dpa

Die Untersuchungskommission deutete an, dass man davon ausgehe, dass die Dunkelziffer von Tätern und Opfern wesentlich höher liege. Die Frauen erhoben Vorwürfe unter anderem gegen WHO-Ärzte und leitende Mitarbeiter, darunter Lokalangestellte und Ausländer.

Ausbeutung von Kongolesen durch WHO-Mitarbeiter: Bei Ablehnung verloren sie ihren Job

Ans Licht gekommen waren die Fälle bereits durch Medienberichte im vergangenen Jahr. Damals berichteten mehr als 50 Frauen, sie hätten in den Jahren von 2018 bis 2020 von Männern Jobangebote bekommen. Im Gegenzug forderten die Männer von den Frauen Sex. Ganz perfide: Dies passierte anscheinend auch bereits angestellten Frauen. Lehnten sie den Sex ab, verloren sie ihre Jobs.

WHO-Mitarbeiter beuten Kongolesen sexuell aus: „Jeder hatte Sex im Gegenzug für irgendetwas“

Nach dem Bericht des „New Humanitarian“ und der „Thomson Reuters Foundation“ waren Frauen betroffen, die als Köchinnen, Putzhilfen oder bei Informationsprogrammen für die Bevölkerung arbeiteten. Sie hätten Kurzverträge für etwa 50 bis 100 Dollar im Monat bekommen, mehr als zweimal so viel wie bei vor Ort vorhandenen Jobs.

„Um im Job voranzukommen, musste man in Sex einwilligen. Jeder hatte Sex im Gegenzug für irgendetwas“, zitiert die Kommission eine Betroffene, Nadira. Lisianne berichtete über einen Beschuldigten: „Er drohte, dass ich meinen Job verlieren würde, wenn ich keinen Sex mit ihm hätte.“

Severine berichtete, sie sei nach der Bewerbung um einen Job in ein Hotel bestellt worden, der Job sei ihr im Gegenzug für Sex angeboten worden, und als sie sich weigerte, habe der Mann sie vergewaltigt. Isala berichtete, ein Arzt, in dessen Team sie arbeitete, habe sie vor die Wahl gestellt: entweder Sex oder sie müsse ihm die Hälfte ihres Gehaltes geben. Sie habe gezahlt.

WHO-Mitarbeiter beuten Kongolesen sexuell aus – Vorwurf: Risiken sexueller Ausbeutung ausgeblendet

Die WHO habe sich auf den Kampf gegen die Krankheit konzentriert, die Risiken sexueller Ausbeutung ausgeblendet und kein System gehabt, um Beschwerden von Opfern aufzunehmen, so die Kommission. „Wir sind gedemütigt, entsetzt und unser Herz ist gebrochen“, sagte die WHO-Regionaldirektorin für Afrika, Matshidiso Moeti, gegenüber der dpa. Nach Auffassung der Kommission trifft aber weder Tedros oder Moeti noch Nothilfekoordinator Mike Ryan persönlich Schuld.

Tedros bat die Opfer um Vergebung. „Was Ihnen passiert ist, ist nicht zu entschuldigen“, sagte er. Er wolle dafür sorgen, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Vier Männer seien entlassen worden. Vorwürfe von Vergewaltigungen würden an die Strafvollzugsbehörden im Kongo und den Heimatländern der Täter weitergeleitet.

Die WHO werde dafür sorgen, dass die Opfer und ihre Kinder medizinische und psychologische Hilfe bekommen. Die WHO werde umgehend an internen Prozessen arbeiten, damit sich solche Vorgänge nie wiederholten. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Al-Hadji Kudra Maliro/dpa

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