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Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick


Die Corona-Krise hat viele Unternehmen und Menschen in finanzielle Bedrängnis gebracht. Wegen des sogenannten Covid-19-Insolvenz­aussetzungsgesetzes ist eine große Pleite­welle in Deutschland zwar bislang ausgeblieben. Nun endet jedoch diese Sonderegel nach einem Jahr – und Experten zufolge kann das für manche Firmen das Aus bedeuten. Im Zuge des wieder vollständig in Kraft gesetzten Insolvenz­rechts (ab 1. Mai) stellen sich Firmen, Selbst­ständige und Arbeit­nehmer womöglich viele Fragen. Wir geben Antworten.

Was ist eine Insolvenz?

Eine Insolvenz bedeutet, dass ein Schuldner seinem fälligen Zahlungs­verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Wenn Unternehmen oder Privat­personen zahlungs­unfähig sind, müssen sie Insolvenz beantragen. Dabei gilt es zu beachten, dass eine Zahlungs­unfähigkeit auch dann vorliegt, wenn sie ihre Verbindlichkeiten zum Zeit­punkt der Fälligkeit nicht zahlen können. Hierbei ist von einer drohenden Zahlungs­unfähigkeit die Rede. Auch eine Überschuldung kann zu einer Insolvenz führen. Dieser Fall tritt ein, wenn die offenen Forderungen höher sind als das vorhandene Vermögen.

Wann spricht man von einer Insolvenzverschleppung?

Im Falle einer Zahlungs­unfähigkeit, einer drohenden Zahlungs­unfähigkeit oder einer Überschuldung müssen Unternehmen innerhalb von drei Wochen zwingend Insolvenz anmelden. Wenn sie das nicht tun, spricht man von einer Insolvenz­verschleppung. Dann droht eine Höchst­strafe von bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geld­strafe.

Welche Arten von Insolvenzverfahren gibt es?

Ziel eines Insolvenz­verfahrens ist die Befreiung von Schulden. Dabei soll das noch vorhandene Vermögen eines zahlungs­unfähigen oder überschuldeten Schuldners liquidiert und der Erlös verteilt werden. Grundsätzlich wird zwischen sechs Insolvenz­verfahren unterschieden.

  • Regelinsolvenz: Wenn der Schuldner beispielsweise ein Unter­nehmen, Selbständiger oder Verein ist, muss eine Regelinsolvenz durchlaufen werden. Es ist das Standard­verfahren für Unternehmen und Menschen, die aktuell selbstständig sind oder es früher waren und außerdem 20 oder mehr Gläubiger oder offene Forderungen aus der Beschäftigung von Arbeit­nehmern haben.
  • Privatinsolvenz: Die eigentliche Bezeichnung für dieses Verfahren ist die Verbraucher­insolvenz. Dieses Verfahren wird bei Schuldnern angewandt, die nie selbstständig waren oder früher selbstständig waren, weniger als 20 Gläubiger haben und keine offene Forderungen aus der Beschäftigung von Arbeitnehmern haben. Im Regelfall dauert eine Verbraucherinsolvenz drei Jahre.
  • Insolvenz in Eigenverwaltung: Bei diesem Verfahren bleibt die Kontrolle über das Unternehmen bei der Geschäftsführung. Ziel ist die Sanierung des Unternehmens. Das Insolvenzgericht stellt bei diesem Verfahren zur Überprüfung der Geschäftsführung einen Insolvenzverwalter zur Seite.
  • Schutzschirmverfahren: Ziel des Schutzschirmverfahrens ist die Vorbereitung einer Sanierung bei drohender Zahlungsunfähigkeit. Hierbei schlüpft das Unternehmen unter einen rechtlichen „Schutzschirm“ und ist vorerst vor einem Zugriff seiner Gläubiger geschützt. Wie bei der Insolvenz in Eigenverwaltung behält die Geschäftsführung die Kontrolle über das Unternehmen, bekommt aber einen Insolvenzverwalter zur Seite gestellt. Zudem muss die Firma innerhalb von drei Monaten einen Insolvenzplan vorlegen.
  • Insolvenzplanverfahren: Dieses Verfahren erfolgt im Rahmen eines ordentlichen Insolvenzverfahrens. Ziel sei, das Unternehmen zu erhalten und fortzuführen. Das soll durch eine schnelle Entschuldung, Übertragung oder Liquidation mit einem Teilzahlungsvergleich gelingen.
  • Nachlassinsolvenzverfahren: Wenn der Schuldner stirbt, wird ein sogenanntes Nachlassinsolvenzverfahren durchgeführt. Hierbei wird die Haftung der Erben auf den Nachlass beschränkt.

Wie läuft ein Insolvenzverfahren ab?

Bei einem Insolvenzverfahren gibt es zwei mögliche Ausgänge: Entweder wird die Zahlungsfähigkeit wieder hergestellt oder das Unternehmen wird durch einen Verkauf oder die Liquidation geordnet abgewickelt. In jedem Fall sollen die Forderungen der Gläubiger bestmöglich bedient werden. Im Standardfall, dem Regelinsolvenzverfahren, findet der Ablauf wie bei den anderen Verfahren nach gesetzlichen Regelungen statt:

  1. Zunächst muss der Schuldner oder ein Gläubiger beim Insolvenzgericht einen Antrag auf Insolvenz einreichen. Der Antrag erfolgt schriftlich und muss die Ursache der Insolvenz enthalten.
  2. Im Insolvenzgericht werden dann die Gründe der Insolvenz geprüft. Das Gericht setzt zudem einen vorläufigen Sachverwalter ein, der sicherstellen soll, dass sich das Unternehmen nicht noch weiter verschuldet.
  3. Das Insolvenzverfahren wird anschließend eröffnet und der Insolvenzverwalter eingesetzt. Der Insolvenzverwalter kann die volle Befugnis über die Führung des Unternehmens haben, jedoch ist es auch möglich, dass die Geschäftsführung nach Zustimmung des Verwalters weiterhin über das Vermögen verfügt. Der Verwalter soll grundsätzlich prüfen, was von dem Unternehmen noch verwertbar ist.
  4. Im sogenannten Berichtstermin informiert der Insolvenzverwalter die Gläubiger über die vorhandene Insolvenzmasse. Auch das Vermögen des Schuldners und die Anzahl der Gläubiger müssen offen gelegt werden. Die Entscheidung darüber, wie das Verfahren fortgeführt wird, liegt bei der Gläubigerversammlung. Sie können also bestimmen, ob das Unternehmen saniert, teilweise aufgelöst oder stillgelegt werden soll.
  5. Im nächsten Schritt erstellt der Insolvenzverwalter eine Insolvenztabelle mit den Forderungen und den Rang des Anspruchs der Gläubiger, die daraufhin zusammenkommen und über die Tabelle abstimmen.
  6. Das Unternehmen wird nun abgewickelt. Auf Basis der Insolvenztabelle werden Beschäftigte der Unternehmens gekündigt oder Geschäftsteile verkauft.
  7. Anschließend werden die Forderungen in einem gerichtlichen Prüfungstermin bestätigt. Daraufhin hebt das Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren auf.

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