Start day-news Deutsche Gemeinde im FBI-Visier: Mischten ein Kommunalpolitiker und ein Ex-Soldat mit?

Deutsche Gemeinde im FBI-Visier: Mischten ein Kommunalpolitiker und ein Ex-Soldat mit?


  • Kai Hartwig

    VonKai Hartwig

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Ein spektakulärer Fund in einer ehemaligen Sporthalle sorgt für Aufregung in einem kleinen niedersächsischem Ort. Auch das FBI ist an der Aktion beteiligt.

Sachsenhagen – Wenn vom Federal Bureau of Investigation (FBI) die Rede ist, denkt man zwangsläufig an die USA und die große weite Welt. Die Behörde jagt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Verbrecher. Doch auch außerhalb der Vereinigten Staaten ist das FBI tätig, schließlich sind auch kriminelle Personen und Organisationen längst weltweit vernetzt.

Dass man aber auch in einem kleinen 2000-Einwohner-Örtchen in Niedersachsen ins Visier der US-Behörde geraten kann, mussten die Gemeindemitglieder von Sachsenhagen kürzlich erfahren. Grund waren die mutmaßlichen Drogengeschäfte einer internationalen Bande – zu der auch ein örtlicher Kommunalpolitiker gehört haben soll.

Sachsenhagen: FBI macht LKA-Niedersachsen auf Drogen-Anbau in alter Tennishalle aufmerksam

Eine Anklage gegen insgesamt acht Personen bereitet derzeit die für den Fall zuständige Staatsanwaltschaft Hannover vor. Die Beschuldigten sollen nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts (LKA) in Niedersachsen eine professionelle Drogen-Plantage in einer früheren Tennishalle betrieben haben. Laut LKA sei die Ernte der illegalen Pflanzen reichhaltig gewesen, knapp 400 Kilogramm Marihuana im Wert von rund vier Millionen Euro habe die Bande vermutlich angebaut.

Im Mai wurde die 2500 Quadratmeter große Ex-Tennishalle von Spezialkräften des LKA gestürmt. Die Vorarbeit für den Einsatz hatten FBI-Mitarbeiter aus den USA geleistet und ihren deutschen Kollegen wertvolle Informationen zukommen lassen. Das LKA wurde bei der Razzia dann auch fündig und fand in der Drogen-Plantage 4107 Cannabis-Pflanzen vor.

Sachsenhagen: LKA hebt Drogen-Plantage aus – Kommunalpolitiker wohl unter Beschuldigten

Nach der Stürmung der illegalen „Gärtnerei“ wurden im Zuge der Ermittlungen vier Deutsche und vier Bulgaren festgenommen. Die acht Beschuldigten sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Unter den deutschen Häftlingen ist laut Bild auch ein Mann, der zuvor ehrenamtlich als Kommunalpolitiker tätig gewesen sein soll. Außerdem soll er der Betreiber der ehemaligen Tennishalle sein. Zudem soll ein früherer Hauptfeldwebel und Afghanistan-Veteran der Bundeswehr zu den Beschuldigten gehören.

Der inzwischen inhaftierten Bande kam man durch die FBI-Geheimoperation „Trojan Shield“ (dt.: Trojanerschild“) auf die Schliche. Mit der Aktion infiltriert die US-Behörde kriminelle Organisationen auf der ganzen Welt. Um die Netzwerke auszuheben, versuchten FBI-Agenten, sogenannte Krypto-Handys in kriminellen Kreisen unter das Volk zu bringen.

Drogenfund in Sachsenhagen: FBI infiltriert Bande mit präparierten Krypto-Handys

Die Operation hatte Erfolg und brachte so rund 12.000 vermeintlich abhörsichere Mobiltelefone in Umlauf. Diese waren mit der Verschlüsselungs-App „Anom“ ausgerüstet. Doch statt sich anonym über kriminelle Aktivitäten austauschen zu können, wurden die Besitzer der entsprechenden Geräte rund um die Uhr vom FBI abgehört. Den in der niedersächsischen Provinz agierenden mutmaßlichen Cannabis-Züchtern soll „Anom“ ebenfalls zum Verhängnis geworden sein – wie auch hunderten Kriminellen in insgesamt 16 Ländern.

Das FBI machte das Bundeskriminalamt (BKA) darauf aufmerksam, was sich da in der ehemaligen Tennishalle abspielt. Vom BKA wanderte das belastende Material zum LKA, das eine Luftüberwachung der Halle per Helikopter mit Wärmebildkamera einleitete. Dann erfolgte der Zugriff. Jetzt können die Bürger von Sachsenhagen endlich aufatmen. Der beschauliche Ort im Kreis Schaumburg ist nun nicht mehr im Fadenkreuz des FBI. (kh)

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