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Corona-Masken: Millionen-Honorar für Andrea Tandler



Exklusiv

Stand: 07.05.2021 18:00 Uhr

Als zwei Schweizer Jungunternehmer Kontakte in deutsche Ministerien suchten, half ihnen die Tochter des Ex-CSU-Politikers Tandler. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ bekam sie dafür viele Millionen Euro.

Von Markus Grill und Lena Kampf,
NDR/WDR

Vor Ausbruch der Corona-Pandemie betrieb Andrea Tandler eine kleine PR-Agentur in München. Sie warb für bayrische Wurst, bayrisches Bier, bayrisches Müsli und bayrische Landhausmöbel. Was man halt so macht als PR-Fachfrau. Doch dann wollten die beiden Schweizer Jungunternehmer Jascha Rudolphi, 23, und Luca Steffen, 24, Corona-Schutzmasken aus China an deutsche Ministerien verkaufen. Ein Deal, bei dem ihnen Tandler helfen sollte.

Markus Grill
Lena Kampf

Gegenüber dem Haushaltsausschuss des Bundestags räumte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein, dass ihn Tandler am 9. März 2020 über das Angebot der Firma Emix informiert habe. Es sollte einer der größten Maskendeals der Bundesrepublik werden. Für mehr als 670 Millionen Euro kaufte Deutschland persönliche Schutzausrüstung bei Emix ein, deren beide Betreiber damit vermutlich 130 bis 200 Millionen Euro verdienten. 

Provision in zweistelliger Millionenhöhe

Zustande gekommen war der Kontakt von Emix zu Minister Spahn über Tandler, wiederum vermittelt durch die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, Tochter der CSU-Legende Franz Josef Strauß und bestens bekannt mit Tandler. Diese ist selbst Tochter des langjährigen CSU-Politikers Gerold Tandler. Tandler, 84, war CSU-Generalsekretär und nacheinander Innenminister, Wirtschaftsminister und Finanzminister.

Nach allem, was bekannt ist, hat Hohlmeier zwar mit Kontakten geholfen, aber nichts an dem Geschäft verdient. Andrea Tandler sollte dagegen nach Informationen von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ (SZ) mit ihrer PR-Firma Little Penguin GmbH zwischen 5 und 7,5 Prozent Honorar und Provision von Emix bekommen, je nach Geschäft. Gemessen an der Gesamtsumme mit deutschen Ministerien hätte die PR-Firma somit Anspruch auf 34 bis 51 Millionen Euro aus den Maskendeals. Ein großer Teil davon soll auch geflossen sein – letztlich Steuergeld.

Emix verkaufte Masken auch an NRW und Bayern

Tandler selbst und ihre Rechtsanwältin äußerten sich auf Anfrage nicht zum Honorar, ebenso wenig wie die Firma Emix. Letztere teilt lediglich mit, dass Tandler als „Projektmitarbeiterin“ für Emix gearbeitet habe. „Andrea Tandler war nicht nur eine Vermittlerin, sondern hat alle logistischen Herausforderungen wie zum Beispiel Liefer- und Flugpläne der eigens von Emix gecharterten Flugzeuge mit den abnehmenden Ministerien in Deutschland koordiniert.“ Sie habe den ganzen Prozess „mit größtem persönlichen Arbeitseinsatz begleitet“, schreibt Emix per E-Mail. „Sie werden Verständnis haben, dass wir uns zu Aufwendungen für externe Projektmitarbeiter nicht äußern.“

Ihre Masken verkauft hat Emix nicht nur an das Gesundheitsministerium von Jens Spahn, sondern auch an das bayrische Gesundheitsministerium und an das NRW-Gesundheitsministerium. Auch der Kontakt zur damaligen bayrischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) soll über Hohlmeier gelaufen sein.

„Höchster Kaufpreis während Beschaffungsnotlage“

Das NRW-Gesundheitsministerium räumt auf Nachfrage ein, dass die Masken, die sie von Emix bezogen hatten, am teuersten waren. „9,90 Euro pro Stück war der höchste Kaufpreis für KN95-Masken, der während der Beschaffungsnotlage in der Pandemie bezahlt wurde“, teilt das Ministerium auf Anfrage mit. Auf die Frage, ob Gesundheitsminister Karl Josef Laumann (CDU) ein zweistelliges Millionenhonorar für Tandler in dieser Situation für angemessen hielt, antwortet das Ministerium mit nur einem Wort: „Nein.“

Gelohnt haben sich die Masken-Deals aber nicht nur für Andrea Tandler, sondern auch für die beiden Jungunternehmer von Emix in der Schweiz. Sie gönnten sich erstmal Luxusautos: einen 963-PS-starken Ferrari (Spitzengeschwindigkeit 350 Kilometer pro Stunde) und einen Bentley. Inzwischen haben die beiden den Kauf der Autos als „Fehler“ eingeräumt, versichern aber auf Anfrage, dass sie für ihr Geld auch viel geleistet hätten: „Emix übernahm bei ihren Lieferungen einerseits das Risiko von Exportbeschränkungen sowie weitere Kosten etwa für Zwischenlager, Transport und Logistikkapazitäten, die zu diesem Zeitpunkt äußerst schwer zu beschaffen und extrem teuer waren.“ Außerdem habe Emix beim Verkauf der Masken und Schutzkleidung „stets innerhalb des aktuellen Marktpreises“ gelegen.

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