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Corona Deutschland: Virologe fordert „Freedom Day“ für Kinder und Jugendliche – Warnung vor „Brennglaseffekt“


  • Patrick Huljina

    VonPatrick Huljina

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Die Corona-Regelungen für Schüler unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Ein Virologe fordert einen „Freedom Day“. Experten warnen vor einem „Brennglaseffekt“. Der News-Ticker.

  • Das Robert-Koch-Institut (RKI)* hat die neuen Corona-Zahlen veröffentlicht. (siehe Update vom 5. Oktober, 9.20 Uhr)
  • Virologe Klaus Stöhr hat sich für einen „Freedom Day“ für Minderjährige ausgesprochen (siehe Erstmeldung).
  • Wissenschaftler warnen indes vor einem sogenannten „Brennglaseffekt“ durch die Pandemie (siehe Update, 16.20 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 5. Oktober, 16.45 Uhr: Die Mehrheit der Gastronomen in Hessen ermöglicht Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten (3G) den Zutritt. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hessen. Demnach sprachen sich 64 Prozent von gut 600 befragten Betrieben gegen einen Zugang nur für Geimpfte und Genesene (2G) aus. Lediglich elf Prozent haben sich stattdessen für das 2G-Modell entschieden. Gut ein weiteres Viertel wechselt zwischen beiden Modellen. Gleichzeitig fordern 58 Prozent der Befragten, Abstände und Maskenpflicht in den Innenräumen beim 3G-Modell abzuschaffen.

„Das Gastgewerbe wünscht sich nach all den entbehrungsreichen Monaten, die auch schon zuvor mit Diskussionen über die Kontaktdatenerfassung oder die Maskenpflicht belastet waren, nichts mehr, als sich auf seine Gastgeberkompetenz konzentrieren zu können“, sagte Julius Wagner, Dehoga-Hauptgeschäftsführer in Hessen. Im Kultur-, Gastronomie- und Veranstaltungsbereich dürfen Betreiber in Hessen seit knapp drei Wochen selbst entscheiden, ob sie vom 2G-Modell Gebrauch machen.

Update vom 5. Oktober, 16.20 Uhr: „Jede einzelne Impfung rettet Leben und schützt unser aller Gesundheit!“, twitterte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag. Wie dem RKI-Impfdashboard zu entnehmen ist, sind 64,7 Prozent der Gesamtbevölkerung inzwischen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Mindestens eine erste Impfung bekommen haben mittlerweile 68,2 Prozent aller Einwohner. Die Corona-Impfkampagne befindet sich allerdings im Sinkflug – auch im Vergleich mit Europa hinkt Deutschland hinterher.

Weitere Einzelheiten zur Impfkampagne im Überblick (Datenstand: 5. Oktober):

  • 79 Prozent der Erwachsenen sind mindestens einmal geimpft. Vollständig geimpft sind 75,3 Prozent der Erwachsenen.
  • Unter den Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 haben 42,2 Prozent mindestens eine erste Spritze erhalten. 35,2 Prozent sind inzwischen vollständig gegen Corona geimpft.
  • 817.313 Menschen in Deutschland haben eine Auffrischungsimpfung erhalten. Sie wird unter anderem älteren Menschen und Risikogruppen angeboten, bei denen die vollständige Impfung schon mindestens sechs Monate zurückliegt.

„Brennglaseffekt“: Kinder und Jugendliche Leidtragende der Pandemie

Indes schlugen Wissenschaftler in mehreren Studien jüngst Alarm. Die Coronavirus-Pandemie wirkt sich besonders auf Kinder und Jugendliche negativ aus. Mehr psychische Auffälligkeiten und Krankheiten sind die Folge. Die Landesärztekammer in Hessen hat aus diesen Gründen einen „Runden Risch“ initiiert, um über Erfahrungen, Vorbeugung und Warnsignale zu sprechen.

Die Coronavirus-Pandemie belastet Kinder und Jugendliche.

© Jens Büttner/dpa

Mehrere Experten sprachen dabei am Dienstag in Frankfurt einen „Brennglaseffekt“ der Pandemie an. „Wir stellen häufig fest, dass Symptome stärker ausgeprägt sind als vor Corona“, sagte die Kinder und Jugendpsychiaterin Martina Pitzer, Direktorin einer Fachklinik in Eltville. So habe es eine deutliche Zunahme von Essstörungen gegeben mit massiv untergewichtigen jungen Patienten, die in die Klinik gekommen seien.

Das Risiko von Kindern und Jugendlichen, während der Corona-Pandemie psychisch zu erkranken, hängt den Experten zufolge auch stark mit der jeweiligen Lebenssituation zusammen. Wer in beengten Verhältnissen ohne Balkon oder Garten lebe, habe weniger Möglichkeiten, etwa durch Bewegung ein positives Erlebnis zu haben als Kinder, die buchstäblich Raum zur Entfaltung haben, hieß es.

Coronavirus in Deutschland: Inzidenz leicht gesunken

Update vom 5. Oktober, 9.20 Uhr: Das Corona-Dashboard des RKI wird am Dienstagmorgen weiterhin aktualisiert. Die neuen Fallzahlen sind allerdings auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts abrufbar. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland demnach 4799 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert noch bei 4171 Ansteckungen gelegen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist im Vergleich zum Vortag leicht gesunken und liegt bei 63,6. Am Vortag hatte der Wert bei 64,7 gelegen, vor einer Woche bei 60,3. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter – gab das RKI am Montag (4. Oktober) mit 1,55 an.

Corona in Deutschland: „Rückfall in die wildeste Kleinstaaterei“ bei Schul-Maßnahmen

Erstmeldung vom 5. Oktober: Berlin – Die Regeln für Schüler in Deutschland waren während der Corona-Pandemie* selten einheitlich. Von Bundesland zu Bundesland gab es Unterschiede bei Maskenpflicht, Tests und Abstand. Nun gelten erneut unterschiedliche Maßnahmen. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, spricht von einem „Rückfall in die wildeste Kleinstaaterei“.

Vor der Tagung der Kultusministerkonferenz Ende der Woche forderte er in der Rheinischen Post einheitliche Kriterien für Corona-Testungen*, Maskenpflicht und den erforderlichen Mindestabstand in Schulen bei stark steigenden Inzidenzen. Ebenso müssten die Infektions- und Quarantänezahlen wöchentlich bundesweit erfasst werden.

„Das größte Ärgernis für uns als Lehrerverband ist die Tatsache, dass bei den Corona-Maßnahmen derzeit wieder ein Rückfall in die wildeste Kleinstaaterei stattgefunden hat“, sagte Meidinger der Zeitung. In einigen Bundesländern sei die Maskenpflicht komplett abgeschafft worden, anderswo nur teilweise. In Bayern gab es zuletzt eine Lockerung der Regel.

Corona-Regeln an Schulen: Lehrerverband-Chef warnt – „zur Durchseuchung freigegeben“

Ebenso unterschiedlich würden Testungen der Schülerinnen und Schüler gehandhabt. In Thüringen seien neben der Maskenpflicht auch die Tests abgeschafft worden, wodurch die Schulen „zur Durchseuchung freigegeben werden“. In dem Bundesland gilt eine Maskenpflicht im Unterricht nur ab bestimmten Warnstufen, im Schulgebäude jedoch grundsätzlich. Verbindliche Tests sind erst ab der höchsten Warnstufe vorgeschrieben.

Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, erklärte der Passauer Neuen Presse, Kinder seien „unter anderem als Folge der Corona*-Maßnahmen inzwischen in erhöhtem Maße zu einer leichten Beute für Viren geworden, die ihnen früher kaum etwas anhaben konnten“. Eine Maskenpflicht in Schulen halte er nicht für nötig, wenn parallel getestet werde.

Corona in Deutschland: Virologe Stöhr fordert „Freedom Day“ für Kinder und Jugendliche

Auch der Virologe Klaus Stöhr unterstützt die Forderung nach Lockerungen an Schulen. Der Wissenschaftler sprach sich in der Neuen Osnabrücker Zeitung für das Ende aller Corona-Maßnahmen – einen sogenannten „Freedom Day“ – für Minderjährige aus. „Sie sollten alle als geimpft oder genesen gelten und Masken in den Schulen und die Testpflicht für diese Gruppe verschwinden.“ Die Massentests von asymptomatischen Kindern an Schulen kritisierte Stöhr ebenfalls: „Da wird einfach nur sinnlos Geld verbrannt, das für wirklich wichtige Dinge viel dringender benötigt wird.“

Für eine komplette Aufhebung aller Corona*-Maßnahmen für Erwachsene sei es wegen des Risikos für ältere Ungeimpfte allerdings noch zu früh, erklärte der Virologe weiter. Mehr als drei Millionen über 50-Jährige seien noch nicht immunisiert und für die über 60-Jährigen seien die Nachimpfungen noch immer nicht vorbereitet. „Durch den nächsten Winter müssen wir noch mit der Hand an der Bremse wegen der über 50-Jährigen fahren“, so Stöhr. (ph/dpa/afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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