Start day-news CDU im Umbruch: alte Zöpfe, neue Köpfe

CDU im Umbruch: alte Zöpfe, neue Köpfe


Berlin. Die CDU geht neue Wege. Sie will die Partei­basis in die Entscheidung über den nächsten Vorsitzenden einbeziehen. Die Kreis­vorsitzenden werden die Rich­tung vorgeben, ob es zu einer Mitglieder­befragung kommt oder nicht. Und der gerade erst gewählte Vorstand will sich beim Sonder­parteitag in einigen Wochen komplett neu zur Wahl stellen. Das ist ein großer Schritt nach vorn. Aber das sagt noch gar nichts darüber aus, ob sich die Christ­demokraten inhaltlich und personell erneuern werden.

+++ Der Live­blog zur Bundes­tags­wahl mit allen News und Entwick­lungen +++

Zur bisher bekannten möglichen Auswahl für die Nach­folge des gescheiterten Partei­chefs Armin Laschet gehören fünf ähnlich soziali­sierte Bewerber: männ­lich, katho­lisch, nord­rhein-west­fälisch. Frauen werden nicht genannt. Und sie wollen offenbar auch – noch – nicht um die Macht in der Partei kämpfen.

Der Union müsste etwa das Bild von der Konferenz ihrer Fraktions­vorsitzenden in Bund, Ländern und Europa vom Sonn­tag pein­lich sein. Sie schämt sich aber nicht. Sie hat gar kein Bewusst­sein dafür, dass eine Volks­partei im Jahr 2021 in Deutsch­land so nicht mehr auftreten kann, wie das Foto die traurige Realität von CDU und CSU abbildet: 17 Männer und eine Frau.

Gruppen­foto der CDU/CSU-Frak­tions­vorsitzenden auf einer Treppe des Herren­krug-Park­hotels Magde­burg. © Quelle: Christoph Soeder/dpa

Es ist nur ein Synonym dafür, was bei den christ­lich-christ­sozial-liberal-konser­vativen Schwester­parteien im Argen liegt: Sie sind nicht mit der Zeit gegangen. Zu wenig Frauen, zu wenig Ostdeutsche, zu wenig Jugend. „Jünger, weiblicher, bunter“ hatte Peter Tauber, der von 2013 bis 2018 CDU-General­sekretär war, die Partei machen wollen. Geglückt ist es nicht.

Die Rufe nach mehr Frauen und Ost­deutschen wurden damit beant­wortet, dass die Union doch Angela Merkel an der Spitze habe, die beides sei: Frau und aus dem Osten. Und Merkel selbst ging auch erst zum Ende ihrer Amts­zeit auf den Mangel an Frauen und Ost­deutschen und deren Benach­teiligung in der Politik ein. Nun tritt sie ab und die Partei ist hier so gut wie blank.

Die Christ­demo­kraten kochen weiter in ihrem eigenen Saft. Ein neues Rezept für Themen und Personen ist in dieser existen­ziellen Umbruch­phase nach dem Wahl­desaster erst einmal nicht absehbar.

CDU: Ohne neue Köpfe keine Erneuerung

Die CDU braucht jetzt große Disziplin, um aus ihrem Tief halb­wegs lebendig heraus­zukommen. In Erneuerung steckt der Inhalt „neu“. Dazu gehören neue Köpfe und das Abschneiden alter Zöpfe.

Video

Laschet-Nachfolge: CDU will gesamten Vorstand neu wählen

Dass es Veränderungs­druck gibt, ist in der CDU unumstritten. Wie groß die Veränderung sein soll, darüber gehen die Meinungen auseinander.  © dpa

So wie Peter Altmaier und Annegret Kramp-Karren­bauer ihren Platz im Bundes­tag für Jüngere geräumt haben und Armin Laschet den Neu­anfang an der Spitze möglich macht, so sollten jene Kräfte in sich gehen, die der Partei in den vergangenen Monaten den Nieder­gang mit eingebrockt haben.

Wolfgang Schäuble, der Laschet als Kanzler­kandidaten durch­geboxt hatte, könnte den Miss­erfolg mit auf seine Schulter nehmen und das Präsidium verlassen. Dorthin gehört ohnehin endlich eine stärkere Vertretung der CDU im Osten.

Auch Friedrich Merz darf darüber nach­denken, was die beiden Kampf­kandidaturen um den Partei­vorsitz die CDU an Kraft gekostet haben – und zwar nicht, weil es mehrere Bewerber gab, das stärkt die Demo­kratie in der Partei –, sondern weil die CDU nach der Wahl des Vorsitzenden gespalten war und blieb.

Jeden­falls ist das Vertrauen passé, dass die Union zu Zusammen­halt in der Lage ist, wenn sich zwei bis drei Bewerber um einen Posten gestritten haben und die Entscheidung für den Sieger denkbar knapp ausfiel. Der CDU würde eine Team­lösung guttun. Gestritten hat sie seit 2018 genügend. Für den drin­gend nötigen Neuanfang müsste sie zeigen, dass sie es im dritten Anlauf besser macht.

Must Read

Warnemünder wollen mehr grüne Digitalisierung

Die Hanse- und Universitätsstadt Rostock verfügt über etwa 27 000 Straßenbäume, also 27 000 potenzielle Datensätze. Eine neue Idee aus dem Warnemünder Ortsbeirat...

2. Liga-Konferenz: St. Pauli, Holstein Kiel und KSC im SPORTBUZZER-Liveticker

Der FC St. Pauli gastiert am Samstag (13.30 Uhr, Sky) beim Sechsten 1. FC Heidenheim...

Afghanistan: IS reklamiert Anschlag auf Moschee für sich

Kabul. Die Terrorgruppe Islamischer Staat hat einen Anschlag auf eine schiitische Moschee im Süden Afghanistans mit mindestens 47 Toten für sich reklamiert. In...

Politik im Irak: Milizenführer (nd aktuell)

Foto: AFP Seit vielen Jahren ist Muktada al Sadr die einflussreichste Person in der irakischen Politik. Doch sein Einfluss schwindet, auch wenn das auf...

Horror-Fund in Lüneburg: Schwangere Frau in der eigenen Wohnung erstochen

In Lüneburg ist eine hochschwangere Frau erstochen worden. Auch ihr ungeborenes Kind hat die Tat nicht überlebt. Die Polizei ermittelt.Lüneburg – Am Freitagmorgen,...