Start day-news Bisher kaum Elektrobusse – großes Projekt in Ludwigslust-Parchim

Bisher kaum Elektrobusse – großes Projekt in Ludwigslust-Parchim


Hunderte Dieselbusse rollen täglich durch Mecklenburg-Vorpommern und stoßen CO2 aus. Ganze drei Elektrobusse sind bislang im Nordosten im öffentlichen Nahverkehr im Einsatz, und zwar seit vergangenem Jahr in Schwerin, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Fünf weitere sollen 2022 dort folgen. Dieses Jahr werden zudem erste E-Busse in Rostock (2) und im Landkreis Ludwigslust-Parchim (15) erwartet.

Aber längst nicht alle Verkehrsbetriebe sind von der Elektro-Idee begeistert. Vor allem auf dem Land bremst die relativ geringe Reichweite die Begeisterung. Deutlich teurer sind die Elektro-Busse auch und die vorhandenen Förderprogramme reichen bei weitem nicht aus, sagen einige Praktiker. Rebus, der Verkehrsbetrieb im Landkreis Rostock, setzt nach Auskunft des Kreises auf Wasserstoff-Antrieb. Dafür sollen ab Herbst Förderprogramme des Bundes aufgelegt werden, hieß es. „Sobald diese vorliegen, werden Anträge vorerst zur Beschaffung von Fahrzeugen gestellt. Perspektivisch auch für Infrastruktur.“

Ländlicher Regionalverkehr soll elektrifiziert werden

Das größte Elektrobus-Projekt hat im Moment die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) am Start. „Das Projekt ist auch deswegen so besonders, weil wir den Versuch wagen, einen ländlichen Regionalverkehr zu elektrifizieren“, sagt Geschäftsführer Stefan Lösel. Noch fahren alle 202 VLP-Busse mit Diesel. Doch Lösel hat 45 E-Busse bestellt. Die ersten 15 sollen im September geliefert werden, die anderen 30 nächstes Jahr. Das Unternehmen erhält vom Bund 17 Millionen Euro Fördermittel für die Beschaffung der Fahrzeuge und Ladesäulen sowie vom Land 2,3 Millionen Euro Fördermittel für die Netzanschlüsse und das Lademanagement, sagt Lösel. Ohne diese Hilfe wäre das Projekt nach seinen Worten nicht möglich.

Während die RSAG in Rostock und auch Lösel keine neuen Dieselbusse mehr beschaffen möchten, ist für andere Betriebe der konventionelle Antrieb definitiv auch Teil der Zukunft. Rebus etwa erwartet im Sommer die Lieferung von zwei Hybrid-Gelenkbussen, aber auch neue Dieselfahrzeuge sollen bestellt werden. „Weil dieselbetriebene Fahrzeuge der neuesten Generation viel sauberer denn je und am wirtschaftlichsten sind“, heißt es zur Erklärung. Der Landkreis gibt zudem zu bedenken, dass die gesamte Ökobilanz eines Fahrzeuges von der Herstellung an betrachtet werden müsse. „Hier ist die lokale Immission nicht der einzige und entscheidende Faktor.“

Finanzierung nicht ausreichend geklärt

Dieselbus-Neukäufe sind auch im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte vorgesehen, denn die Finanzierung der Elektrofahrzeuge, der Infrastruktur und der zusätzlichen Betriebskosten sei noch nicht ausreichend geklärt, so eine Kreissprecherin. Auch Lösel von der VLP Ludwigslust-Parchim räumt ein: „Ob unser Plan tatsächlich klappt, hängt auch von der Preisentwicklung für Elektrobusse und, falls diese nicht auf vergleichbare Größenordnungen zu den Investitions- und Betriebskosten von Dieselbussen sinken, von den Investitionszuschüssen ab.“ Bisher kosten Elektrobusse das Zwei- bis Dreifache eines Dieselfahrzeugs.

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) lobt die Verkehrsunternehmen für ihre Bemühungen um saubere Antriebe. Dabei werde insbesondere im Überlandverkehr verstärkt auf die Anschaffung von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen gesetzt, sagt der Minister. In Städten sei Elektro das größere Thema. In Rostock plane die RSAG, dass bis 2030 mindestens die Hälfte ihrer Busflotte mit emissionsfreien Antrieben verkehrt. Die ersten beiden E-Busse werden laut Stadtverwaltung noch in diesem Jahr erwartet, bis 2025 soll ihre Zahl auf 13 wachsen.

„Es fehlt schlichtweg das Geld“

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind nach Worten von Sprecher Achim Froitzheim täglich 183 Omnibusse unterwegs. Davon führen 13 Busse in Greifswald auf Erdgasbasis, sagt er. Die Landverkehre richteten sich wegen der bekannten Reichweitenproblematik auf verfügbare Hybridtechnologien und Wasserstoff aus. „Leider sind diese Busse gegenwärtig noch sehr kostenintensiv, 800 000 bis 900 000 Euro“, sagt Froitzheim. Die notwendigen Tankstellen seien noch nicht vorhanden. „Dagegen kostet ein Dieselfahrzeug rund 280 000 Euro.“ Förderprogramme würden noch nicht im ausreichenden Maß angeboten oder könnten aufgrund der notwendigen Eigenmittelanteile nicht genutzt werden. „Es fehlt schlichtweg das Geld und die Infrastruktur.“

Das kommunale Nahverkehrsunternehmen Nahbus im Landkreis Nordwestmecklenburg befindet sich derzeit noch in der Erarbeitung seiner Strategie zur energetischen Ausrichtung der Fahrzeugflotte, wie ein Kreissprecher sagte.

Von RND/dpa

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