Start day-news Beste Orte bei Zingst, Rügen und Stralsund

Beste Orte bei Zingst, Rügen und Stralsund


Noch vor zwei Jahren machten in der Region rund um Stralsund 90 000 Kraniche Station, rasteten hier, um sich für den Weiterflug Richtung Süden zu stärken. Ein Rekord.

Umso größer war der Einbruch im letzten Jahr: Nur 28 000 Vögel wurden in Vorpommern gezählt. Da geben 39 000 in diesem Herbst schon wieder Grund zu Optimismus. Doch woran liegt das Sinken der Zahlen?

Viele Gründe für sinkende Kranich-Zahlen

„Dafür gibt es mehrere Faktoren. Einerseits finden die Kraniche zu wenig Nahrung, weil es hier immer weniger Mais gibt. Andererseits werden die Vögel durch Besucher gestört. Zum Beispiel, wenn Leute am Straßenrand halten, das Handy zücken und immer dichter an den Kranich rangehen, um gute Bilder zu bekommen“, sagt Biologe Günter Nowald, Geschäftsführer von Kranichschutz Deutschland. Besucher hätten in letzter Zeit aber auch immer wieder Schüsse gemeldet. Genauere Informationen dazu gebe es aber noch nicht.

Das sind gute Orte zum Kranichgucken. Unweit von Aussichtsturm in Barhöft gibt es auch die Beobachtungshütte des Nationalparkamtes in Bisdorf.
Quelle: Grafik: Benjamin Barz

30 Ranger im Kranorama

Derweil sind die Kranichgucker täglich in unserer Region unterwegs. 30 ehrenamtliche Ranger, andere Helfer und ein Mitarbeiter des Infozentrums sorgen zum Beispiel in Günz nördlich von Stralsund dafür, das Touristen und Naturfreunde täglich bis zum Dunkelwerden die Kraniche beobachten können. Das Kranorama bietet dafür beste Möglichkeiten, denn von hier hat man einen tollen Ausblick, auch für Fotofreunde ein Muss.

Kranich gehört zu den größten Zugvögeln

1996 wurde die gemeinnützige Kranichschutz Deutschland GmbH mit dem NABU und dem WWF als Gesellschafter gegründet. Seit 2017 ist der NABU alleiniger Gesellschafter. Ziel der Gesellschaft neben der Öffentlichkeitsarbeit ist es, dem Kranich eine sichere Brutheimat sowie störungsfreie Sammel- und Rastplätze in Deutschland zu erhalten und zum internationalen Kranichschutz beizutragen.

Kranichschutz Deutschland hat seinen Sitz in Groß Mohrdorf und zählt 350 Mitarbeiter in ganz Deutschland. Geschäftsführer ist Dr. Günter Nowald. Die größten Förderer sind Lufthansa und Daimler.

Kraniche faszinieren und berühren den Menschen. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,20 Meter, einer Körpergröße von 1,20 Metern sowie einem Gewicht bis zu sieben Kilo gehört der Kranich zu den größten Zugvögeln. Ihre trompetenartigen Rufe sind bis zu zwei Kilometer weit zu hören. Weltweit gibt es 15 verschiedene Kranicharten, wie etwa den Schwarzhalskranich oder den grauen Kronenkranich. 

Beobachten kann man die Kraniche auch an und in der Aussichtshütte in Bisdorf, diese wird vom Nationalparkamt betreut. Außerdem bietet die Weiße Flotte samstags 16 Uhr ab Zingst Bootstouren zur Bock-Region an. Auch in Flemendorf steht ein Turm zur Kranichbeobachtung. Wer den Kranich intensiver beobachten möchte, kann sich auch eine Fotohütte mieten (dient als Versteck nur für eine Person).

Öffnungszeiten: Das Nabu-Informationszentrum in Groß Mohrdorf ist Montag bis Sonntag von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Das Kranorama in Günz empfängt täglich von 9 bis 18 Uhr Besucher. Die Zeiten gelten bis zum Ende der Herbstrast gegen Ende Oktober. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen: Telefon 038323/80540.

Die moderne Aussichtsplattform in Günz wurde am 15. Oktober 2015 eingeweiht. 400 000 Euro kostete das Projekt. Der Neubau löste das alte, viel zu klein gewordene Häuschen ab. Das Kranorama bietet über zwei Etagen beste Bedingungen für die Vogelliebhaber, die hier ihren Beobachtungsdrang stillen können. Hier ist täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Nabu-Kranichzentrum in Groß Mohrdorf

Die nötigen Informationen rund um den Kranich können sich die Neugierigen im Nabu-Informationszentrum in Groß Mohrdorf holen. In dem Haus, das für all die vielen Besucher eigentlich schon viel zu klein geworden ist, gibt es nicht nur Zahlen und Fakten zu den Vögeln des Glücks. Hier läuft auch der Film „Kraniche – Juwelen der Küste“. Der Streifen spannt in 17 Minuten den Bogen vom Kranichrastplatz Vorpommersche Boddenlandschaft bis hin zu den Brutgebieten in der Rostocker Heide, verbindet also zwei biologische Hotspots. Der Film ist eine schöne Einstimmung für einen Tag auf den Spuren des Kranichs.

Kranichsafari mit Film starten

„Es ist gut und wünschenswert, wenn die Besucher ihre Kranich-Safari in Mohrdorf starten. Dann können wir nicht nur Informationen geben, sondern die Leute auch mit den wichtigsten Regelns bekannt machen. Wer sich daran hält, wird ein tolles Naturspektakel beobachten können mit der Gewissheit, dem Kranich nicht zu schaden“, so Dr. Nowald, seit 1996 in der Region für den Kranichschutz aktiv, im OZ-Gespräch und schiebt hinterher: „Viele Touristenzentren werben mit dem Kranich. Wir müssen dann sehen, wie wir die Besucherströme lenken.“

Apropos Kranichtourismus. Der spielt sich längst nicht mehr nur in Vorpommern ab. Andere Regionen in Niedersachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt haben aufgeholt.

Lufthansa steht hinter dem Kranichschutz in Deutschland

Das Kranorama wird ebenso wie das Kranichinformationszentrum in Groß Mohrdorf von Kranichschutz Deutschland getragen. Kranichschutz Deutschland ist eine gemeinnützige Organisation, die sich zum großen Teil durch Spenden finanziert. Seit 2017 ist der Natzurschutzbund alleiniger Gesellschafter. Zu den Förderern gehört die Lufthansa, die sich per Vertrag zum Kranichschutz bekannt hat.

Mal abgesehen davon, dass man nach der Corona-Krise nie weiß, welche Schwierigkeiten sich noch ergeben, ärgert sich Günter Nowald über eins ganz besonders: „In anderen Ländern ist man viel weiter. In Schweden zum Beispiel sind die Kraniche Teil des Naturschutzes. Kranichmanagement ist eine staatliche, behördliche Aufgabe.“

Akzeptanz für Schutz der Kraniche steigt

Doch auch wenn das in Deutschland noch nicht so ist – in der Region beobachtet Günter Nowald schon eine gewachsene Akzeptanz, bis auf Zerstörungen auf dem Parkplatz am Kranorama. „Da fühlt sich wohl jemand durch die Besucher gestört. Aber ansonsten gibt es durchweg positive Resonanz. Viele Kita- oder Schulgruppen kommen in unsere Ausstellungen, machen mit uns gemeinsam Projekte. Und die Kinder sind begeistert“, sagt der 59-Jährige und berichtet, dass sich acht Mitarbeiter, zwei Bufdis und ein FÖJler im Info-Zentrum um die Betreuung der kleinen und großen Besucher kümmern.

Von Ines Sommer

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