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Berufstätige in Deutschland leiden unter psychischer Belastung


Die Arbeitswelt wandelt sich mit der Corona-Pandemie und der fortschreitenden Digitalisierung, die Grenzen der Arbeitszeiten schwinden – und Stress und Belastung nehmen zu. Wie sehr, das zeigt eine aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Jobportals Indeed zum „World Mental Health Day“ am 10. Oktober: Demnach leidet fast ein Drittel, genauer 29 Prozent, der Berufstätigen in Deutschland unter einer psychischen Erkrankung oder war in der Vergangenheit betroffen.

Im Rahmen der Auswertung stellte YouGov 2039 Probandinnen und Probanden 23 Fragen zu ihrer psychischen Verfassung und ihrem Kenntnisstand zur mentalen Gesundheit.

Die Ergebnisse zeigen außerdem: Trotz steigender Akzeptanz psychischer Krankheiten haben viele Menschen Probleme damit, auf der Arbeit über die Thematik zu sprechen. 60 Prozent der Betroffenen gaben an, im beruflichen Umfeld nicht die Möglichkeit zu haben, über ihre mentale Belastung zu reden. Von den psychisch Gesunden hatte mehr als ein Drittel der Probandinnen und Probanden den Eindruck, solche Themen seien auf der Arbeit nur schwer ansprechbar.

„Menschen mit psychischen Belastungen werden in unserer leistungsorientierten Gesellschaft und ganz besonders in der Arbeitswelt häufig immer noch stigmatisiert“, kommentiert Psychologe René Träder, der an der Entwicklung der Umfrage beteiligt war, die Ergebnisse. „Dadurch entstehen Vorurteile und Tabuthemen.“

Corona-Pandemie: Psychisch Erkrankte fühlen sich am Arbeitsplatz wenig unterstützt

Was daraus folgt, ist aber offenbar auch das Unwissen der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber um den mentalen Zustand ihrer Beschäftigten: Nur 18 Prozent von ihnen gaben gegenüber YouGov an, sich gut informiert zu fühlen.

Womöglich ist das der Grund für die nächste Erkenntnis der Umfrage: Unterstützung für psychisch Erkrankte gibt es am Arbeitsplatz offenbar nur selten. 63 Prozent der Befragten erklärten, bei ihnen auf der Arbeit fehlten konkrete Angebote für den Erhalt der mentalen Gesundheit. Nur bei 6 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird der Auswertung nach konkretes Informationsmaterial oder eine persönliche Betreuung angeboten.

Obwohl sich der Umfrage nach mehr als ein Drittel der Berufstätigen durch die Pandemie stärker belastet fühlt, antworteten 58 Prozent auf die Frage, ob es in der Krise mehr Unterstützung gab als vorher: Nein, es hat sich nichts verändert. Fast ein Fünftel der Probandinnen und Probanden gab an, Verbesserungen bemerkt zu haben. Für 15 Prozent hat sich die Lage sogar verschlechtert.

Und dennoch: Mehr als die Hälfte der Berufstätigen geht davon aus, dass sich der eigene Arbeitgeber insgesamt um das Wohlbefinden der Mitarbeitenden bemüht – wobei vor allem jene, die derzeit unter einer psychischen Erkrankung leiden, widersprechen.

Berufstätige in Deutschland wünschen sich mehr Freizeit

Was aber würde helfen, um die psychische Gesundheit von Berufstätigen nicht nur zu erhalten, sondern zu verbessern? Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der YouGov-Umfrage braucht es vor allem eines: mehr Freizeit. 42 Prozent sprachen sich für das Umwandeln von Überstunden in Urlaub und Gehalt aus, 39 Prozent wünschten sich eine Vier-Tage-Woche – eine Maßnahme, die Spitzenreiter unter den Wünschen der psychisch erkrankten Befragten ist. Außerdem hilfreich wären aus Sicht der Probandinnen und Probanden mehr zusätzliche freie Tage und ein offener Austausch unter Kolleginnen und Kollegen.

Für Psychologe Träder ist die „vielleicht wichtigste Aufgabe des betrieblichen Gesundheitsmanagements im 21. Jahrhundert, dafür zu sorgen, dass die psychische Gesundheit den Stellenwert im Arbeitskontext bekommt, den auch die körperliche Gesundheit hat“. Ein wichtiger Schritt seien hier verschiedene, möglichst niedrigschwellige Angebote für Betroffene in Unternehmen.

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