Start day-news Beliebter Schulleiter von Rügen geht in Rente: Worauf sich Rüdiger Bonau jetzt freut

Beliebter Schulleiter von Rügen geht in Rente: Worauf sich Rüdiger Bonau jetzt freut


In der Grundschule Altstadt Bergen kennen alle Kinder und Lehrer einen Song ganz genau: „Unsere Schule hat keine Segel“. Dieses bekannte Kinderlied von Rolf Zuckowski singen sie immer voller Freude, wenn sich Besuch ankündigt, beim festlichen Akt der Einschulung oder wenn etwa die besten Vorleser prämiert werden.

Der leicht abgeänderte Refrain gilt dem Schulleiter. „Und als Käpt’n steht Herr Bonau auf dem Deck – Ahoi!“ Am Donnerstag werden sie das Lied in dieser Form ein letztes Mal singen. Rüdiger Bonau geht von Deck und dann in Rente. Der Schulleiter, der große Fußstapfen hinterlassen wird, geht voller Stolz.

Unter der Leitung des heute 65-Jährigen bekam diese Bildungseinrichtung den Zusatz „Schule mit spezifischer Kompetenz“ in den Förderschwerpunkten Sehen, Hören sowie körperliche und motorische Entwicklung. Ihm war es auch zu verdanken, dass die Schule das Siegel „Tutmirgut“ im Jahr 2017 bekommen hatte. Aktuell dürfen nur drei Schulen im Land diesen Namen tragen. „Ich bin bemüht, den Kindern immer eine gesunde Lebensweise nahezubringen und auch viel Bewegung zu bieten“, sagt er. Ganz bescheiden, so wie ihn auch seine Kollegen einschätzen. Zuerst die Schule und erreichen, dass es den Kindern gut geht – vorher konnte er nicht Feierabend machen, so die Aussagen vieler Weggefährten.

Lehrerwunsch schon zu Schulzeiten

Dass er Lehrer werden möchte, wusste der gebürtige Rüganer schon, da war er selbst noch Schüler. „Ich erinnere mich, als ich als Achtklässler im Rahmen einer Patenschaft zusammen mit jüngeren Schülern den Stoff aufgearbeitet habe, den sie im Unterricht nicht verstanden haben. Oder ich habe ihnen bei den Hausaufgaben geholfen“, sagt er. Er merkte, dass es ihm großen Spaß bereitet, wenn er anderen Menschen Dinge erklären kann.

Er ging zum Studium nach Neukloster, begann seine berufliche Laufbahn 1976 in Ribnitz-Damgarten, kehrte zum Schuljahr 1987/88 zurück auf die Insel nach Dranske. Hier wurde er 1999 Leiter. Danach folgte die Leitertätigkeit in Sagard von 2005 bis 2009. „Dann wurde ich gefragt, ob ich die Altstadtschule in Bergen übernehmen möchte“, erinnert er sich. Mehr als zwei Jahrzehnte lang war Rüdiger Bonau Schulleiter auf der Insel Rügen. Eine große Verantwortung, der er sich gerne gestellt hat.

Der Spaß darf nicht fehlen

Er sieht sich in seiner Funktion als Manager. Es gibt als Leiter viele Dinge zu organisieren, zu klären, zu entscheiden. Der schönste Moment ist und bleibt aber für ihn die Zeit zwischen den beiden Pausenklingeln, wenn der Unterrichtsstoff vermittelt wird. „Für mich war es immer wichtig, dass der Stoff so aufbereitet wird, dass ihn jeder Schüler versteht. Differenziert muss es sein und vor allem interessant. Das ist im Prinzip die halbe Miete“, sagt er. Für ein Späßchen zwischendurch war immer Zeit. „Ich bin ein sehr lustiger Mensch. Für mich gehört deshalb ein bisschen Spaß auch in den Unterricht. Das lockert auf.“ Genauso wichtig war es für ihn, dass sich Kinder an die Regeln in der Schule halten.

Zufrieden war er erst dann, wenn er in die Gesichter der Kinder sah und merkte, dass sie den Unterrichtsstoff verstanden haben. Die Freude ist auch groß bei dem 65-Jährigen, wenn er auf der Straße Erwachsene trifft, die er früher unterrichtet hatte, die es mitunter schwer hatten, dem Unterricht zu folgen, oder verhaltensauffällig waren. Und, die es geschafft haben, heute selbst Familie haben und einen Job, der ihnen gefällt. „Wenn ich mit ihnen ins Gespräch komme und sie mir sagen, was aus ihnen geworden ist, dann ist das immer ein schöner Lohn für einen Lehrer“, so Rüdiger Bonau.

Weitblick und unermüdlicher Einsatz

Seine Kollegen werden ihn in guter Erinnerung behalten. Für sie war er ein Chef mit viel Verständnis, Vertrauen und auch Mitgefühl, wie es seine Stellvertreterin Iris Möller ausdrückte. „Zu jeder Zeit war Rüdiger Bonau für seine Kollegen da. Er hat seine Arbeit gelebt. Er war immer bestrebt, etwas zu bewegen, etwas voranzutreiben. Das aber mit Weitblick, hoher Kompetenz und unermüdlichem Einsatz“, sagt sie.

Wollen den Schulleiter einen würdigen Abschied vom Berufsalltag bescheren: Iris Möller (v.l.), Daniela Hensel, Bärbel Palleit und Isa Pichert-Förster.
Quelle: Mathias Otto

Bärbel Palleit ist seit diesem Sommer in Rente, kennt Rüdiger Bonau schon 49 Jahre lang. Als beide Studenten waren, holte er sie oft mit seinem Motorrad ab. Gemeinsam ging es zum Studium nach Neukloster. „Schon als Student war er ein Mensch, der sehr viel Mitgefühl hatte und lösungsorientiert war. Das hat sich durchgezogen bis heute“, sagt sie. Isa Pichert-Förster hatte dem Schulleiter zu verdanken, dass sie zu ihren Wurzeln zurückkehren durfte. Sie ging als Kind dort selbst zur Schule, kam nach vielen Jahren in einem anderen Beruf zurück und arbeitete im Hort. „Er hatte sich dafür eingesetzt, dass ich in den Schuldienst wechseln konnte. Dafür bin ich ihn heute noch sehr dankbar“, sagt sie.

Leidenschaftlicher Kleintierhalter

Mit einem kleinen Programm wollen sie ihren hochgeschätzten Schulleiter am Donnerstag in Rente schicken. Darauf freut sich Rüdiger Bonau schon. Auf seinem Grundstück auf Wittow warten Hund, Katze, Schafe und Hühner auf den Kleintierhalter. Seine Frau wird im kommenden Jahr Rentnerin. Dann haben beide viel Zeit, ihre drei Kinder zu besuchen, die auf Rügen, in Dresden und Groß Lüsewitz wohnen.

Kommissarisch wird Dr. Anne Schöning die Schulleiterstelle übernehmen. Sie leitete zuvor das Sonderpädagogische Förderzentrum in Bergen. Für sie und die Kollegen hat Rüdiger Bonau noch einen Wunsch. Nämlich, dass der Zusammenhalt im Kollegenkreis weiterhin gut bleibt und sie sich gegenseitig unterstützen. „Ich möchte, dass jeder freudig zur Arbeit fährt und gesund bleibt“, sagt er.

Von Mathias Otto

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