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Bad Doberan geht gegen Schottergärten vor


Blaue und graue Kieselsteine, dazwischen Grünpflanzen: Solch einen Anblick vor der Haustür oder im Garten soll es in Bad Doberan künftig nicht mehr geben. Dafür hat sich Stadtvertreter Harry Klink (Freie Wähler/Kuss) stark gemacht. Das „Verbot von Schottergärten“ fand Zustimmung in der Stadtvertretung.

„Schottergärten versiegeln den Boden, heizen die Umgebung auf. In Schottergärten sind wenige bis keine Pflanzenarten zu finden und sie bieten auch keine Lebens- und Nahrungsgrundlage für Tiere“, argumentiert Harry Klink. Nachhaltigkeit fängt bei jedem vor der Haustür an. Die Beschlussvorlage sei auf seine Initiative zusammen mit Stadtvertretern und Verwaltung entwickelt worden, so Klink.

In allen neuen Bebauungsplänen soll jetzt festgeschrieben werden, dass nicht überbaute Grundstücksbereiche zu begrünende und wasseraufnahmefähige Flächen sein sollen. Damit orientiert sich der Beschluss an der Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern, Paragraph 8: „Die nicht mit Gebäuden oder vergleichbaren baulichen Anlagen überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und zu begrünen oder zu bepflanzen, soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen.“

Harry Klink, Bad Doberan: „In Schottergärten sind wenige bis keine Pflanzenarten zu finden und sie bieten auch keine Lebens- und Nahrungsgrundlage für Tiere.“
Quelle: Anja Levien

Mehrere Städte in Deutschland verbieten Schottergärten

Bad Doberan ist nicht die erste Stadt, die gegen diese Art von Gärten vorgeht. Erlangen in Bayern untersagt Betonwüsten bei Neu- und Umbauten. Ebenso gehen Dortmund, Paderborn und Bremen gegen Steingärten in neuen Bebauungsplänen vor. In Baden-Württemberg sind Schottergärten laut neuem Naturschutzgesetz seit dem 1. August 2020 auf Privatgrundstücken ausdrücklich verboten.

Im neuen Wohngebiet zwischen Dammchaussee und Randstraße, dem Ostseewohnpark/Ehm-Welk-Viertel, seien Schottergärten bereits verboten. Harry Klink verweist auf die entsprechende Formulierung im B-Plan: „Die nicht überbaubaren Grundstücksflächen sind mit Gehölzen zu bepflanzen und als Zierrasenfläche anzulegen sowie dauerhaft zu unterhalten.“

Wohngebiet Ostseewohnpark: Schottergärten trotz Verbots

Allerdings sei im Ostseewohnpark auf die Einhaltung nicht geachtet worden. Hier finden sich so einige Schottergärten. Das wurde während der Stadtvertretersitzung kritisiert. „Wir sehen uns als Verwaltung nicht in der Lage, das jetzt zu kontrollieren und zu beauflagen“, sagte Bürgermeister Jochen Arenz. „Das ist ein Versäumnis aus der Vergangenheit.“ Torsten Schellin (Für Doberan) wollte wissen, wie die Stadt damit künftig umgehen werde. „In Zukunft wird hart durchgegriffen“, so Arenz. So sei im neuen Wohngebiet an der Nienhäger Chaussee bei einer Einwohnerversammlung klar darauf hingewiesen worden, dass Schottergärten verboten seien.

Jochen Arenz, Bürgermeister Bad Doberan über die nicht stattgefundene Kontrolle von verbotenen Schottergärten: „Das ist ein Versäumnis aus der Vergangenheit. In Zukunft wird hart durchgegriffen.“
Quelle: Anja Levien

Heike Ohde (Bürgerbund) schlug vor, Hinweisschreiben in die Wohngebiete zu geben, dass Schottergärten nicht rechtens seien. „Wir sollten das kontrollieren. Es ist unsere Aufgabe, das zu prüfen.“

Umfrage: Doberaner für grüne Gärten

„Ich finde Schottergärten nicht schön. Sie sind nicht gut für Natur und Tiere“, sagt Alexandra Ventzlaff. Die 32-Jährige lebt im Ostseewohnpark. Sie merkt jedoch an, dass die Schottergärten zumindest gepflegt aussähen, anders als so manch ein Straßenzug im Ostseewohnpark, wo das Unkraut am Bordstein wachse. „Das sieht ungepflegt aus.“

Für Florian Müller machen Schottergärten keinen Sinn. „Ich finde nicht gut, dass Menschen ihren Garten so anlegen. Das sieht kühl aus“, sagt der 34-Jährige. Dass diese Art von Gärten im Wohngebiet verboten seien, habe er nicht gewusst. „Dabei habe ich den B-Plan sehr genau gelesen.“

Bärbel Mann hat früher in Bad Doberan gelebt, ist gerade zu Besuch und geht durch den Ostseewohnpark spazieren. „Ich staune, wie viel hier versiegelt wurde“, sagt sie. „Manche Gärten sind nicht insektenfreundlich.“ Manche Gärten seien sehr schön, aber dann komme im Nachbargrundstück ein Schottergarten, das sei nicht schön, ergänzt Helga Trost. „Natur muss Natur bleiben“, sagen die beiden Frauen.

Schottergärten schlecht fürs Lokalklima

Der Naturschutzbund (Nabu) spricht sich gegen Schottergärten aus. „Biologisch gesehen sind viele dieser Gärten tot, denn sie bieten den meisten Tieren und Pflanzen weder Nahrung noch Lebensraum“, informiert der Nabu. Zudem seien sie schlecht fürs Lokalklima. „Bepflanzte Gärten sorgen im Sommer für Abkühlung, binden Staub und Schadstoffe und lassen Regenwasser versickern – Schottergärten nicht.“

Von Anja Levien

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