Start day-news Ärger über Radfahrer in Stralsunds Fußgängerzone: „Die knallen hier durch“

Ärger über Radfahrer in Stralsunds Fußgängerzone: „Die knallen hier durch“


Die Stralsunder Polizei will künftig schärfer gegen Verkehrssünder in der Altstadt vorgehen. Im Fokus der angekündigten Kontrollen stehen dabei Rad- und E-Scooter-Fahrer.

Laut einer Sprecherin hätten zuletzt nicht nur die Beschwerden über die Zweirad-Rowdys zugenommen – es hätte auch einen schweren Unfall gegeben. Mitten in der Fußgängerzone hätte ein Radfahrer eine Fußgängerin umgefahren. Diese stürzte – und verletzte sich dabei schwer.

Schon 600 Verstöße in diesem Jahr

Allein in der vergangenen Woche verzeichnete das Polizeihauptrevier der Hansestadt acht Verstöße von Radfahrern. Hinzu kam eine Ordnungswidrigkeit eines Autofahrers. Insgesamt wurden im laufenden Jahr bereits 600 Verstöße festgestellt. Künftig sollen die Schwerpunktkontrollen gemeinsam mit dem Ordnungsamt intensiviert werden. Darauf wird geachtet: Einhaltung des Durchfahrverbotes in der Fußgängerzone, das korrekte Verhalten der Radfahrer, die richtige Nutzung von Fahrtrichtungen, Straßenteilen und – ob während der Fahrt das Mobiltelefon genutzt wird.

Radfahrer in der Fußgängerzone: Das denken die Stralsunder

„Ich fahre auch jeden Tag mit dem Fahrrad in die Innenstadt, trotzdem steige ich in der Fußgängerzone vom Rad und schiebe das letzte Stück“, erzählt Gabrielle Hirche von „No1 Mode“ in der Ossenreyerstraße. „Einmal hat mir ein Fahrradfahrer einen Ständer direkt vorm Geschäft umgefahren. Das muss wirklich nicht sein“, ärgert sich die Stralsunderin. Insbesondere für kleine Kinder und ältere Menschen seien die Radfahrer eine Gefahr. „Sie fahren ja auch immer so knapp vorbei.“

Brunhilde Mayr muss in der Ossenreyerstraße immer ein wachsames Augen auf ihren zwei Jahre alten Enkel haben.
Quelle: Barbara Waretzi

Großmutter hat Angst um ihren Enkel

Dieses Problem kennt auch Brunhilde Mayr. Sie ist mit ihrem zwei Jahre alten Enkel oft in der Fußgängerzone unterwegs. Trotzdem hat sie auf den kleinen Yves stets ein wachsames Auge: „Man muss schon aufpassen“, betont die Großmutter. „Vor allem jüngere Leute sehe ich hier oft mit dem Fahrrad.“ Meike Pohle kann das bestätigen. „Schon als ich noch zur Schule gegangen bin, waren viele trotz Verbot auf dem Rad unterwegs. Als der orangene Sheriff noch da war, trauten sie sich das nicht mehr“, erinnert sich die 20-Jährige.

Gemeint ist damit Polizeihauptmeister Winfried Roock. Seit knapp drei Jahren ist der „strengste Cop“ Stralsunds im Ruhestand – und wird offenbar schmerzlich vermisst. Roock war für seine ruppige Gangart gegen Verkehrssünder in der Ossenreyerstraße berüchtigt. Dabei rupfte er bis 2019 nicht nur Jugendliche vom Rad. „So einen hätte ich gerne wieder“, sagt Pohle. Denn: „Unter dem Sheriff hätte es so ein Verhalten nicht gegeben.“

Radler stören sogar den Eisverkauf

Serijana Gasi wünscht sich ebenfalls wieder mehr Kontrollen. Als Servicefachkraft im Eisladen „Manolis“ stören sie die Radfahrer des Öfteren bei der Arbeit. „Wenn ich mit einem vollen Tablett unsere Gäste draußen bediene, muss ich immer aufpassen“, erklärt die Stralsunderin. „Am schlimmsten ist es vorne bei der Bäckerei Kühl, dort knallen sie einfach durch“, bemerkt ihre Kollegin Sabine Selbert. „Sie fahren auch nicht in der Mitte, sondern auf den schmalen Gehwegen am Rand, die eigentlich für Kinderwagen gedacht sind.“

Serijana Gasi von Manolis Eis stören die Radfahrer bei der Arbeit.
Quelle: Barbara Waretzi

E-Scooter stellen Polizeibeamte vor neue Herausforderung

E-Scooter stehen am Neuen Markt in Stralsund.
Quelle: Kai Lachmann

Seit dem ersten Oktober gibt es am Sund zudem ein neues Ärgernis: E-Scooter. Der einjährige Testbetrieb bietet den Stralsundern zwar neue Möglichkeiten der Mobilität, dennoch stellt dieser die örtliche Polizei vor neue Herausforderungen. „Wir appellieren an alle Nutzer der E-Scooter, sich an die geltenden Regeln zu halten“, sagt Jennifer Fischer, Sprecherin der Polizei.

Sie weist auf die grundlegenden Normen hin: Die Roller dürfen auf Radwegen genutzt werden, sollten diese fehlen, darf auch auf die Fahrbahn ausgewichen werden. Auf Gehwegen, selbst wenn diese für Radfahrer freigegeben sind und in Fußgängerzonen, sind sie jedoch verboten. Wer betrunken mit dem Roller durch die Altstadt fährt, dem droht richtig Ärger: „Alkoholgrenzwerte gelten auch auf dem E-Roller“, sagt Fischer. „Ab 0.5 Promille ist der Führerschein für einen Monat weg. Ab 1.1 Promille droht der Entzug der Fahrerlaubnis.“

Von Barbara Waretzi

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